Copacabana und die Sonneninsel

Im Bus…

…Richtung Bolivien werden wir von einem eifrigen Guide erwartet, der uns nicht nur mit den im Vorfeld gebuchten Kleinigkeiten an Getränken und Essen versorgt, sondern auch steuert was den Wechsel des Restgeldes angeht. Wir suchen dazu seine Lieblingswechselstube an der Strecke auf.

Immer lächelnd erwähnt er später am Grenzposten, dass die Ausreisestempel aus Peru für die Einreise nach Bolivien zwingend kopiert werden müssten. Gesagt getan im Shop nebenan für örtlich extrem teure 2€. An der Grenze Bolivien reihen wir uns in die zum Glück kurze Warteschlange ein und halten Pässe und Stempelkopie bereit. Dem Beamten legen wir dann alle Unterlagen auf die Theke. Er nimmt was er braucht und entlässt uns. Die Kopien rührt er nicht an. Selbst auf Nachfrage nicht. Unsere Nachfrage beim Guide, wieso wir die Kopie haben machen müssen erklärte er ganz einfach: ‚Alles gut. Dann brauchten die wohl keine‘, dreht sich um und geht.

Eine Stimme in mir sagt, dass Wechselstube und Kopiershop wohl seiner Familie gehören könnten. Eine weitere Stimme in mir beschimpft den Guide. Ob man mir äusserlich ansieht, das in mir gerade viele Stimmen durcheinander quatschen und das ich innerlich meinen gesenkten Kopf schüttel ?!

Nun denn, wir sind in Bolivien. Ziel erreicht. Jetzt im nachhinein, weiß ich das wir dort eine tolle Zeit haben werden.

Wir gelangen nach Copacabana. Unser Bus entlässt seine Insassen in dem kleinen Wallfahrtsort auf 3800 Metern Höhe. Ein kleiner Ort mit großem Namen, dessen Bedeutung ohne diesen kleinen Ort gar nicht weltweiten Ruf erlangte. Patricia und ich besuchen die Basilika von Copacabana, in der die Nationalheilige Boliviens, die Jungfrau von Copacabana beheimatet ist. Im 15. Jahrhundert soll sie einem Inka-Nachfahren im Schlaf erschienen sein, der sie daraufhin mit blauem Gewand in Holz schnitzte. Nach und nach wurden ihr Wunder zugesprochen, sodass der Ort für Gläubige zum Wallfahrtsort wurde.

In einem Nebenraum der Basilika stehen gefühlt 22 dieser Heiligenfiguren, die irgendeinen örtlichen Bezug zu einem Ort auf der Welt haben. So auch eine Figur, die vor diversen Jahren der Stadt Rio de Janeiro gestiftet wurde. Nach dieser Heiligenfigur aus dem Ort Copacabana in Bolivien wurde der Stadtteil und somit auch der berühmte Strand Copacabana in Brasilien benannt. Nun wisst ihr’s und könnt damit angeben oder bei Senior Jauch einen Joker sparen.

Die Kuppel vor der Basilika von Copacabana. Ein real herrlicher Anblick.
Die blaue Jungfrau von Casablanca, die dem Stadtteil in Rio de Janeiro den Namen gab.
Normales Straßenbild mit bolivianischen behüteten Damen .
Kids mit Schaumspray in der Hand und Spaß im Gesicht.
Der linke riesige Sack (gefühlt 1000 Liter groß) ist gefüllt mit riesigem Popcorn der hiesigen großen Maissorte. Was rechts in der Tüte aussieht wie Schweinespeck ist auch eine ähnliche Maisspeise.

Zusammen mit 70-80 weiteren Gästen fahren wir per Boot in gut 60 Minten auf die Insel ‚Isla del Sol‘. Patricia las in diversen Blogs, das es hier einen ganz besonderen Sonnenuntergang gäbe. Die Insel liegt im Titicacasee. Auto, Motorräder etc. gibt’s nicht. Als Transportmittel gibt es nur… Esel. Vom Hafen führen schmale steile Wege mit unryhtmischen Stufenhöhen hoch zum eigentlichen Ort. Man könnte Esel mieten oder einen der sich anbietenden ca. 10-jährigen Burschen bezahlen der unser Gepäck hochschleppen würde. Wir tragens selbst. Eine schweiß-treibende Tortour.

Kleiner Hafen auf der Insel ‚Isla del Sol‘.
Erstes Hotel am Platz.
Schmale steile Gasse.

Nach dem kurzen CheckIn im Hotel gegen Nachmittag schlendern wir zum geeigneten Punkt für den gepriesenen Sonnenuntergang. Wir haben zwar eine wirklich phantastische Aussicht, jedoch zeigen uns diverse Wolken am Horizont, das sich die Sonne nicht nach unseren Wünschen richtet. Sie ist leider nur zu erahnen.

Eine Ruine mit Weitblick.

Unser Abendessen wird bürgerlich einfach mit leckerem Braten, Gemüse und Reis. Wir sind in einem Restaurant. Am Nachbartisch fallen uns drei Touris auf. Zwei Frauen und ein augenscheinlicher Bolivianer. Alle sprechen deutsch und haben leider ALLE eine aufdringliche laute und für uns beide einstimmig entsetzliche Stimme und Tonfall. Wir halten uns mit unserer Konversation leise zurück. Wir wollen nicht erkannt und in das Gespräch genötigt werden. Ich glaube soetwas erwähne ich hier das erste Mal… aber – Sorry – ist gerade leider so.

Trotz der herrlichen Sonne am Tag ist’s nachts auf der Insel in dieser Höhe bitterkalt. Im Bett finden wir 5 schwere Decken. Weitere liegen bereit. In der Nacht wachte ich auf, da ich das unangenehme Gefühl hatte das die Luft  zu wenig Sauerstoff habe. Entsetzlich. Zwei Stunden lag ich da so mit schnappatmung rum, bis ich die Lösung hatte: Drogen !! Hört sich komisch an… half aber. Unsere Coca-Blätter-Ration war noch nicht zu Ende, sodass ich mit ‘nem Klumpen Blätter im Mund dann nach 10 Minuten wieder einschlafen konnte.

Notwendiger Deckenberg.

Am Tagdrauf nach gutem Frühstück wollten wir die Insel bei einem ausgedehnten Spaziergang erkunden. Unser geplanter Wanderweg über die Insel war zeitlich gut durchdacht, da unsere Fähre am Spätnachmittag fuhr. Der Fußmarsch wurde jedoch durchkreuzt, da sich zwei Gemeinschaften auf der Insel seit einem Jahr derart streiten, dass sie die beliebtesten Wanderwege gesperrt haben. Einfach so. Holzhäuschen aufgestellt und Schranke runter. Eine freundliche Stimme weist den Rückweg und das Verbot Fotos zu machen. Schon komisch… aber … andere Länder, andere… ihr wisst schon.

Schmale felsige Gassen, begrenzt von steinigen Mauern.
Typisches Mauerwerk.

Wir halten also Ausschau nach kleinen schönen Fleckchen und finden sie. Wir geniessen die Natur und machen Halt bei Eseln, Lamas, Alpaccas, Schafen und einer Ferkelbande. Es ist kurzweilig und macht Spaß Auge und Seele baumeln zu lassen. Herrlich. Trotz Hindernis haben wir noch eine wirklich schöne Zeit. Ob es an unseren Zwischenmahlzeiten lag, weiß ich nicht, aber Coca-Blätter waren dauerpräsent.

Einer von vielen.
Vier Geschwister.
Diese freundlichen Gesellen liefen umher, stritten und bissen sich gegenseitig (besonders der Biss ans Hufgelenk war sehr beliebt), vertrugen sich wieder und assen zussammen. Es war äusserst lustig zuzusehen. Trotz unterschiedlicher ‚Hautfarbe‘ gute Kumpels !! 

Die Fähre soll uns später wieder ans Festland bringen. Die Organisation ist aber sensationell schlecht. Es bilden sich zwei Schlangen auf einem schmalen Steg. Diese müssen plötzlich neu gebildet werden nach Tages- und Übernachtungsgäste. Dann wird ein anderer Steg empfohlen, der nach 15 Minuten aber wieder für nichtig erklärt wird. Eine klärende Kommunikation gibt es nicht. Irgendwann werden alle Gäste in zwei Boote gestopft. Es geht mit unnötigem HinundHer zurück nach Copacabana.

Dort besteigen ca. 40 Menschen einen Bus der uns durch die Nacht nach La Paz bringen soll. Die Wanderung bei herrlichem Inselwetter hat uns müde gemacht. Unsere gebuchten 180Grad Liegesitze sind da genau das richtige.

Irgendeinem Gott muss unser bisheriges Verhalten missfallen haben, denn er bestraft uns… genau jetzt.  In der Sitzreihe hinter und neben uns nehmen genau die drei gemiedenen Menschen aus dem Restaurant platz. Wir ziehen zügig unsere Kopfhörer auf und schauen Netflix, bis… ja bis sich die junge kräftige Dame hinter uns über die Liegeposition unserer Sitze beschwert. Ihre Beine seien zu dick. Wir widersprechen nicht, finden aber aufgrund der anstehenden 8 Stunden Nachtfahrt keine Lösung. Eine freundliche Seele aus dem Bus schafft es die Situation zu lösen, indem er seinen Platz ihr zum Tausch anbietet. Das schafft einerseits Ruhe, andererseits beginnt damit die Kennenlernphase zwischen ihm und dem deutschsprechenden Bolivianer. Wir liegen zwar weiter bequem, haben aber noch knapp 2 Stunden ‚Unterhaltung‘ bis dann doch endlich Ruhe einkehrt.

Gute Nacht…

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