Äkwahdohr

Mit den Stimmen im Ohr von 5-stündiger und mehr Wartezeit zur Einreise nach Ecuador mussten wir uns dann in der sichtbaren Warteschlange hinten anstellen. Wir suchten nun das Ende derselbigen. Es ging um die Grünanlage am Gebäude, um das Gebäude selbst und bis hin zur örtlichen Tankstelle. Entsetzlich. Fünf Stunden waren da noch freundlich gedacht. Vordrängeln hätte wohl nur mächtig Ärger gegeben. Wir hatten inzwischen 1500 Uhr und die Weiterreise nach Quito betrug erneut 5 Stunden. Ob die Busse dann des Nachts überhaupt fahren wussten wir nicht. Unser Hotel in Quito war gebucht. Wir mussten etwas tun. Patricia bat mich, mich doch mal als Kollege aus Deutschland vorzustellen. Vielleicht würden wir ja vorgezogen (hüstl hüstl) !!?? Ich mag dieses Tun eigentlich gar nicht. Aber… ich sah mich dann mal am Eingang um, beobachtete das Treiben dort und die uniformierten Kollegen. Während ich da so stand, überlegte ich mir diverse freundliche glaubwürdige Geschichten ohne ‚mit der Tür ins Haus zu fallen‘. Mit kollegialer Dreistigkeit aufzutreten kann auch schnell arrogant rüberkommen und auf Widerstand stoßen. Als ich eine Geschichte dann präsent hatte, sprach ich einen Beamten direkt am Eingang an und fragte ob er englisch spreche. Er verneinte und rief seinen Kollegen hinzu, der es wohl könne. Der winkte bereits mit Metern Abstand ab und fragte nach meinem Pass. Nachdem er diesen dann sah, winkte er mich wortlos direkt durch zum Schalter. Meine Geschichte wollte niemand hören. Niemand ! Nun denn, die werten Kollegen hatten wohl eher Sorge blöd dazustehen, um in einer fremden Sprache ein vermeintliches Problem lösen zu müssen.
10 Minuten später hatten wir die gewünschten Stempel und schafften es noch rechtzeitig zum Bus der uns in die Hauptstadt Ecuadors brachte.

Unsere Unterkunft in Quito war ein spartanisches Zimmer mit kleiner Kochecke. Hygienisch manchmal fragwürdig, aber wir haben es überlebt.

Nichts für auf Dauer !!
Mit den richtigen Zutaten incl. Vitamine aber zu ertragen…

Das Wetter in Quito schwankte zwischen sehr warm und kühl bis leicht und stark regnerisch. Wir schauten uns die Stadt an. Die Jacke an oder unter dem Arm. Regenschirm über oder neben uns. Wie viele andere Städte und Namen auf unserer Reise, so war auch Quito noch vor Jahren so unbekannt und unendlich weit weg für uns. Nun waren wir mittendrin. Schöne Kirchen, Museen, Straßen und Gebäude zeigten sich.

Kathedrale mit Herz. Die Statue wurde nach dem Besuch des Papst Johannes Paul II errichtet. Mein verstorbener Vater sah ihm ähnlich, sodass ich immer empfänglich war ein Abbild von JPII zu sehen. Er und der aktuelle Papst Franziskus waren in Lateinamerika äusserst häufig abgebildet. Unser deutscher Vertreter Gottes war nicht ein Einziges mal sichtbar. Mmmmmh… kann man mal darüber nachdenken ??
Am alten kirchlichen Gemäuer rechts saßen diverse fleissige Bettler, die den Eingang fast wie eine Durchlassstelle bei Konzerten oder Fussballspielen zuließen.

Eine Tagestour machten wir zur Mitte der Welt, der wenige Kilometer von Quito entfernt ist. Hört sich doch spannend an, oder ?! Der Äquator verläuft genau hier. Im Jahr 1736 wurde hier als erstes die genaue Position des Äquators bestimmt. Mit damaligen Mess-Instrumenten, war es weltweit nur hier möglich, die Position des Äquators anhand von festen Orientierungspunken (den benachbarten Gipfeln der Anden) zu bestimmen. Man fühlte sich so sehr zentral, das man daher von der Mitte der Welt sprach. An der Stelle selbst wurde ein Monument mit einer riesigen Erdkugel erbaut. Eine gelbe Linie zeichnet die Äquatorlinie nach und dient vielfach als Fotomotiv. So etwas profan touristisches machen wir natürlich nicht !!
Mit den modernen Methoden des GPS erkannte man später, das sich der wahre Äquator 240 Meter neben dem Monument befindet. Dort ist eine weitere sehr touristisch ausgebaute Anlage zu besuchen.
Eine spannende Geschichte ist die, das vor einigen Jahren ein Gleitschirmflieger auf einem Berg in der Nähe des Monuments Überreste aus der späten Inkazeit fand, welche den Äquator genauer markieren und bereits vor über 1000 Jahren errichtet wurden. Schon cool die alten InkaIndianer.

Nein – kein Tourifoto auf der gelben Linie. Bitte nicht !!!
Blick von oben.
Mitte der Welt oder einfach nur Äquator in Äkwahdohr !?

Übigens: Ecuador heißt Ecuador, da die ‚Ecuadorlinie‘ durchs Land führt.

Kolumbien ‚die Zweite‘

Wir freuten uns wieder in Kolumbien zu sein.

Der erste Aufenthalt dort war so sehr überraschend angenehm, das wir nun auch die letzten unserer Ziele aufsuchen wollten. Bogota und Cali standen an. In Bogota angekommen buchten wir im Hostel wie vor Monaten bereits. Dort hatten wir bei Camilla (Angestellte des Hostel) Endes Juli 2017 für angedachte 2 Monate unseren großen Rucksack mit überwiegend warmer Kleidung untergestellt, da wir sie in Zentralamerika nicht benötigten. Nun kamen wir nach 6 Monaten zurück. Wir hatten mit ihr mehrfach per whatsapp kommuniziert. Wie wir hier von ihr hörten, war ihre Hilfsbereitschaft nicht ganz uneigennützig. Sie plant mit ihrem Freund eine Reise nach Europa und wir könnten ihr dort vielleicht ‚was‘ helfen. Aber natürlich !!! Sehr gerne !!! Ruf an Camilla !!!

Bogota sahen wir uns noch zwei Tage an und fahren weiter nach Cali. Cali ist in Deutschland wohl ebenso kriminell verschrieen wie Medellin. In den 80- und 90ern zu recht. Heute ist Cali eine normale Millionenstadt mit hellen und schattigen Seiten. Wir sahen uns wohl eher das freundliche Gesicht Calis an. Schöne Straßen, nette Cafés, Märkte, ein Kino-Museum, Kirchen, Parks…
In einem Café lernen wir für ein nettes Gespräch einen Taxifahrer aus Berlin kennen, der für 2 Wochen hier ist, nur um Salsa tanzen zu lernen. Einzelunterricht versteht sich. Okay… kann man machen !

Wer die Serie ‚Breaking Bad‘ kennt, weiss Bescheid !!
Entgegen des Uhrzeigersinns ab 3 Uhr: braunes Obst – rötliche Schale – weisse süße Frucht. Die Natur, widermal für Überaschungen gut.
Kinomuseum
Streetart – Straßenkunst

Es waren zwei entspannte Tage. Bei einem Antiquitätenhändler verliebten wir uns in eine Heiligenfigur, die 150 – 200 Jahre alt ist. Uns begleiteten diese Figuren seit Zentralamerika. Sie werden eingekleidet, sodass nur Kopf und Hände zu sehen sind. Daher ist der Rest meist ohne Präsision gemacht. Hier konnten wir dem Angebot für knapp unter 100€ nicht widerstehen. Monate später sahen wir in Argentinien eine vergleichbare Figur für 600€.  Also, alles richtig gemacht.

Nicht zwingend hübsch. Ihr fehlen Finger. Frisur ist grenzwertig. Sie hat Macken und keinen Unterkörper.                                 Wir lieben sie.

Eine weitere Nacht verbrachten wir im Bus, bevor uns ein letzter Transport an die Grenze zu Ecuador brachte. Fünf Km vor der Grenze machten wir einen Abstecher nach Ipiales. Ein kleiner Ort, der von einer besonderen heiligen Stätte lebt. Tausende Touristen besuchen die Wallfahrtskirche ‚Las Lajas‘. Die Kirche ist auf einer Brücke über einer Schlucht errichtet. Der Altar ist direkt in den Felsen hinein gebaut. Die Fotos der Kirche, die uns dorthin leiteten waren schlussendlich schöner als der Ort selbst. Unzählige Restaurants, Kioske, Souvenirläden und fliegende Händler sowie Bettler erschwerten eine Begeisterung für Architektur und Kultur.
Hier sahen wir das erste mal ein traditionelles Essen der Andenregion: gegrilltes Meerschweinchen. Ungewohnter Anblick. Ich nahm mir zwar vor es zu probieren, es kam jedoch nicht dazu. Irgendein Meerschweinchen wird es freuen. Patricia übrigens auch, auch wenn ich sie…  nicht essen wollte.

Google-Bild der ‚Las Lajas‘ in Ipiales.
Gläubige glauben vieles. So auch das Marmortafeln mit Bitten und Danksagungen in der Nähe einer Kirche befestigt,  jemand Mächtigen erreichen, der dann… was auch immer macht ?!        Wenn’s hilft !?
Sie versterben eines natürlichen Todes – oder ?!
Meerschweinchen nochmal anders – mit Kleidung, nur weige Meter weiter. Vermenschlicht und trotzdem werden sie rasiert, gegrillt und gegessen.               Ich esse sie doch nicht.
Souvenirladen mit türkischen Kleinigkeiten in Kolumien. Neben Kirche, bunten Lamas und toten Meerschweinchen. Seltsam aber wahr. Die Verbindung erschloss sich mir nicht. Aber egal – wenn man damit Geld machen kann !
Lamas, schick gemacht für eine Fotosession mit Touristen. Umsonst ? NEIN !!

Es ging weiter zur Grenze. Wir standen zwei Stunden in der Schlange an, um den Ausreisestempel aus Kolumbien zu erhalten. Dort hörten wir diverse Stimmen, die für die Wartezeit nach Ecuador zeitlich nichts gutes verheissen… Wartezeiten von 5 Stunden plus X.

Warteschlange für die Bürokratie. Ohne Ausreisestempel kein Einreisestempel.
Grenze mit Fernblick Richtung Ecuador.
Erneut eine Brücke die uns den Weg zwischen den Ländern bereitet.

Ostern und so…

Mir ist nicht wirklich klar, wer…

… meine Zeilen so alles liest, geschweigedenn wieviele Leser es denn sind. Meine Schilderungen hier auf sopiro sind derzeit 2-3 Monate nach dem Erlebten sichtbar für Jeden der es mag uns zu begleiten und dem unsere Geschichten gefallen.

 

Ich erlaube mir kurz nach meiner Story zur Weihnachtszeit einen Sprung in die  Osterzeit. Patricia und ich bekommen derzeit diverse Ostergrüße die wir auf diesem Wege gerne erwiedern möchten.

 

Im Jahre 1722 segelte ein Holländer so über die Weltmeere und betrat an Ostersonntag eine Insel die er ‚Paasch-Eyland‘ nannte. Im spanischen heisst sie ‚Isla de Pascua‘ oder örtlich ‚Rapa Nui‘. Wir kennen sie eher unter der Übersetzung ‚OSTERINSEL‘.

Für Patricia und mich wurde ein Traum real, indem wir die Insel besuchten.        Ein kleiner Rundgang über die Insel sowie ein Tauchgang in sensationell klarem Wasser, incl. einer Steinstatue ‚Moai‘ unter Wasser sollen Euch allen, bekannt und unbekannt, sagen:

                                          Wir wünschen Euch schöne Ostertage  !!

 

kein osterhase, kein ei – kein maoi – sorry – ein einfaches pferd – aber es stand einfach so perfekt.
steht auch perfekt und bewegt sich nicht
fast zweidrittel sind unter der erde
„…hallo…“
unvollendet…
seitenansicht
von vorn mit lieben gästen
sand zu füssen der maoi
mittig jung und mit maske  –  rechts alt und einfach maoi


 

 

x-mas, new year and fucking yellowfever

Weihnachtsbaum aus einem Hostel auf Jamaika.

Unsere Zeit in Joao Pessoa, Patricias Heimat, verbrachten wir mit Familien- und Freundespflege. Im Dezember ist dort Sommer. Hochsommer. Der Planet namens Sonne zeigte sich äußerst präsent. Es hieß daher meist früh aufstehen, Sport machen, Frühstücken, diverse Dinge regeln, Mittagsschlaf halten, am Blog schreiben, an der Promenade inlinen, im Netz onlinen, ab 1800 Uhr (okay auch mal um 5pm) gabs den ein oder anderen Drink und es durfte mit spotify und netflix entspannt werden. Alles sehr erholsam.

Fotostop beim Inlinen.

Patricias Sohn Junior kam kurz vor Weihnachten ebenfalls nach Joao Pessoa. Sie hatte ihre Lieben nun alle um sich herum. Zu 15t feierten wir klassisch mit Weihnachtsbaum, Krippe und passender Deco sowie leckerem Buffet, nur ohne Kälte dafür aber in kurzer Hose und Flipflop. Meine Kids hatten Junior mein Weihnachtsgeschenk mit auf die Reise gegeben. Hab mich gefreut. Echt gefreut. Die Woche bis Silvester verlief wie oben bereits beschrieben.

Die Silvesternacht wollten wir am Strand in Rio de Janeiro verbringen. Den Flug hatten wir bereits gebucht. Unser Plan war es von dort in den Norden Südamerikas, nach Bogota zu fliegen. Dieser Flug war von Rio aus jedoch dermaßen teuer, das wir in Joao Pessoa verlängerten und von dort aus in der ersten Januarwoche nach Kolumbien fliegen wollten. Für gut die Hälfte des Preises.
Silvesterabend verbrachten wir trotzdem am Strand – in Joao Pessoa. Mit abertausenden anderen Menschen. Diverse Stände hielten Getränke und Essen bereit. Die Stadt hatte ein riesiges Zelt aufgebaut mit Bands und Bespassung sowie ein Feuerwerk vorbereitet.

Weiß ist die bevorzugte Kleiderfarbe.
Kann man es erkennen ?? Menschen über Menschen…. Silvester am Strand.

Nachdem alle Rucksäcke wieder gepackt waren und wir uns verabschiedet hatten brachte uns Patricias Bruder in 2 Stunden Transfer nach Recife zum Flughafen. Am CheckIn – Schalter für den Start in die letzten Monate unseres Tripps erhielt eine freundliche Dame am Schalter unsere Pässe. Auf ihre Frage nach den Gelbfieberimpfungen bekam sie Patricias Impfpass und meine Kopie samt Krankenhaus-Schreiben aus El Salvador (ihr erinnert euch!?). Ihre Miene verzog sich und sie rief nach ihrem Chef. Dieser wandte sich nach kurzer Beratung zu uns und versagte uns den Flug. Seit August 2017 habe Kolumbien, aufgrund Gelbfiebervorfälle in Brasilien, die Einreiseauflagen geändert. Eine Gelbfieberimpfung sei nun in der internationalen Form, sprich mehrsprachigem Impfpass Pflicht. Patricia hatte ihn, ich nicht. Wenn er uns mitfliegen ließe, würden die kolumbianischen Behörden uns auf Kosten der Fluggesellschaft wieder zurückfliegen lassen. Alle Versuche gesprächiger Diplomatie Patricias führten nicht weiter. Im günstigen Flieger blieben zwei Sitze leer. Eine Rückerstattung gab es nicht, da wir, also… ich, die erforderlichen Auflagen nicht erfüllt hatten.

Blöd – Scheisse – Blöd, oder sagen wir einfach: fucking yellowfever !!

Wir blieben somit weiter in Joao Pessoa. Was kein Nachteil war, denn es ist schön dort. Aber war so nicht geplant.

 

Einen Folgeflug fanden wir für eine Woche später. Leider nicht mehr für den günstigen Preis. Die Buchung wurde tagsdrauf per Mail bestätigt. Leider wurde sie in einer weiteren Mail wieder gecancelt, da die Bezahlung per Kreditkarte nicht funktioniert haben soll. Meine Nachschau auf dem Konto zeigte, das sie das Geld einen Tag später doch abgebucht hatten. Unsere Rückfrage bei der Fluggesellschaft ergab… Keinen Flug ! Stundenlanges telefonieren, deren Ratschlägen folgend erfolglose Mails schreiben erbrachte erst genau drei Monate später die Rückzahlung der Hälfte des Betrages. Zum Kotzen. Ein persönlicher Ansprechpartner war nirgends präsent.
Also… Erneut einen Weiterflug buchen. Das funktionierte zum Glück ohne Probleme. Ärgerlich und teuer der Scheiss !!

Da war aber noch mein Impfproblem. Gemeinsame Überlegungen mit Freunden ergab sogar eine Lösung dafür. Kolumbien akzeptiert sowohl eine Impfung wie auch eine offizielle mehrsprachige Bestätigung, das man gegen den Gelbfieber-Impfstoff allergisch ist. Mit familiärer brasilianischer Hilfe, Patricias Gesprächsführung und Augenzwinkern erforderlicher Beteiligter (wörtlicher Hinweis eines ‚deutschlandfreundlichen‘ Beamten: ‚Wir haben hier immer eine Hintertür für Probleme‘; ‚Habt ihr in Deutschland nicht einen Job für mich? Ich will hier weg!‘) bin ich zwar geimpft, habe aber einen mehrsprachigen offiziellen Nachweis über meine Allergie gegen den Impfstoff.

Nun denn, seis drum…

 

Mit dieser ‚Lösung‘ flogen wir dann letztendlich einige Tage später nach Kolumbien. Weiter geht’s dort mit Abenteuern und so…

JAMAIKA ?? Gefällt uns! Klar!! Warum nicht!?

Die gute Nachricht vorab:  Jamaika schafft die Wende.

Eine Besserung unserer Laune erhoffen wir uns im jamaikanischen Touri-Zentrum ‚Negril‘. Ausgerechnet in einem Mekka für Touristen ?! Unsere Möglichkeiten sind beschränkt. In Negril zeigen sich anfangs erneut teure Unterkünfte, bis wir im Hotel Yoga eine Unterkunft für 2 Tage finden. Wir wohnen in einem Rundbau, mit Doppelbett, Küche und Bad mit separater Dusche, die sich außerhalb des Häuschens befindet. Sieht hübsch und auch romantisch aus. Der Blick aus Tür und Fenster geht ins Grüne. Das Wetter wird besser und die Sonne zeigt sich. Unsere Laune steigt.

Wir wohnten diverse Male in einer runden Holzhütte. Es war jedesmal schön und erholsam. So auch hier.
Spartanisch aber funktionell und ausreichend.
Bad mit Dusche ‚draußen‘.
Sieht der Wasserhahn nicht aus wie Scrat aus ice age ??
Ohne Titel
Basic aber ausreichend.
Herr Specht klopfte jeden Morgen an.

Wir fangen an den Ort zu mögen. Wir verpflegen uns selbst und kaufen dazu im Supermarkt ein, der wie so oft von Chinesen geführt wird. Der junge asiatische Inhaber trohnt am Eingang auf einem Holzpodest, knapp unter der Decke und beäugt Kunden und wohl auch seine Mitarbeiter.

Kleiner Mann ganz oben.
Meist wurden Lebensmittel mit weißen Menschen beworben, egal welche ethnische Mischung die Bevölkerung hat – hier mal nicht. Der Liter Milch blieb mit gut 2 Euro trotzdem teuer.

Den nahen Strand spazieren wir mehrfach entlang und besuchen die ein oder andere Bar. Wir verlängern unseren Aufenthalt und bleiben gesamt 5 Tage. Ein spezieller Ort soll die Bar ‚Ricks Cafe‘ sein. Angeblich eine der 10 besten Bars der Welt. Also Taxi am Straßenrand angehalten und für 2,50 Dollar hin. Namentlich verwirrend ist es eher doch eine Bar. Eine große Bar. Kein Strand, aber direkt an der Klippe zum Meer. Dieser Ort hat wirklich was spezielles. Sie bietet eine kleine natürliche Bucht, in die man von diversen sprunghöhen eintauchen kann. Alle 20 Minuten kündigt der dauerhaft beschäftigte DJ einen schmalen athletischen Jamaikaner an, der sich gekonnt präsentiert und einen Baumstamm hochklettert, um von der obigen kleinen Plattform aus, in die Tiefe springt. Natürlich mit Salto, sauberem eintauchen und dem verdienten Applaus. Anschließend geht er mit dem hat rum, um später seine Brötchen kaufen zu können.

Er tut es !!
Andere tun es auch, von ‚weniger hoch‘.
Wir tun es nicht, sehen aber trotzdem gut aus !

Unser Rückweg beginnt direkt vor ‚Ricks Cafe‘. Man bietet uns dort die Taxi-Heimfahrt für 10 Dollar an. Ups. Das 4-fache der Hinfahrt. Wir verneinen, gehen 100 Meter die Straße runter und finden eine Fahrt für 2,50 Dollar. Geht doch !!
Am Strand sehen wir jedesmal ein klassisches Garten-Partyzelt 3×3 Meter. Darin liegt ein gesetzter Herr auf einer Liege, Kopfhörer auf und um ihn herum diverse Technik. Ich spreche ihn dann irgendwann an. Er sei Funker und würde seit 14 Jahren jedes Jahr für 3 Wochen auf Jamaika sein und fast täglich mit der Welt per Funk in Kontakt treten. Er strahlt während er das erzählt und reicht mir eine Karte, die angeblich mein Leben verändern wird. Auf der Karte erkenne ich seine und andere Kontaktdaten für weltweiten CB-Funk. Schön das er Spaß daran hat. Eher nichts für mich.

Kleiner CB-Funker im Gespräch mit der großen Welt.
Rastafari mit gläubiger Haartracht (macht euch die Haarlänge bewusst).
Später am Tag… Glanz vor meinen Augen.
Kein Fotoshop – einfach iPhone 6S
Es weihnachtet.

Nach wirklich erholsamen sonnigen schönen Tagen in Negril freuen wir uns auf etwas spezielles auf Jamaika: Bioluminesence. Im kleinen Ort Falmouth befindet sich ein Teilstück im Meer, wo phosphoreszierendes Plankton sein faszinierendes Unwesen treibt. Die kurze Tour kostet 20 Euro pro Person. Wir werden am Hotel abgeholt und fahren zu einem Hafen. Dort erhalten wir einen süßen alkoholischen Punsch und fahren wenige Minuten später zu viert mit einem Boot raus. Es ist 2000 Uhr und dunkel. Nach wenigen Minuten sehen wir bereits im aufgewirbelten Wasser des Außenbordmotors das leuchtende Plankton. Sensationell. Wir gehen vor Anker, und springen ins Wasser. Es ist nicht tief, gerade mal einen Meter. Man versinkt mit den Füßen fast bis zum Knie in weichem-weichem Morast. Der Grund ist einfach entsetzlich ekelig. Aber das Plankton ist überall. Die kleinste Bewegung wird von ihm mit hellem Licht begegnet. Sooooo faszinierend. Auch das Anspucken mit dem Wasser wird zu einem leuchtenden Strahl. Nach 20 Minuten erlebter phantastischer Natur geht es zurück.

Bioluminisence hinter dem Boot (Archivfoto).
Der Knaller, oder ?!
Jamaikanischer Obstwagen mit Autolenkrad und Seilzügen auf dem Markt in Falmouth (an einem habe ich sogar einen Kinderschuh angebunden gesehen, wie er bei uns an manchen Innenspiegel zu finden ist)

 

… kann man auch so.
Ich kenne nicht den Motorradtyp, aber cool allemal !
Bus mit 9 Sitzen und 12-14 Fahrgästen ist normal. Wenns eng wird wirds halt eng !

Tagsdrauf müssen wir zurück nach Kingston. Unser Anschlussflug geht nach Brasilien zurück. Weihnachten feiern mit Patricias Familie. Unser Rückkehr mit einem Shuttlebus zur Unterkunft von Tory in Kingston zeigt uns eine Steigerung der hässlichen Seite des Reggae. Die 3,5-Stundenfahrt verhaftet uns im Musikgeschmack des Fahrers. So schrecklichen Reggae habe ich noch nie gehört. Entsetzlich laut. Entsetzlich entsetzlich. Eine Tortur.

Am Ziel angelangt begrüßt uns Tory. Er scheint erfreut uns wiederzusehen und ist interessiert an unserem Erlebten. Es wird zu einem langen Gespräch über ihn und uns, Träume und Realität, gute und schlechte Musik… Schade das wir morgen wieder abreisen.

Danke Tory. Hast uns gut empfangen.

Ein Kumpel Torys bringt uns für kleines Geld später zum Flughafen. Wir sind früh dran. Drei Stunden vor Abflug. Unser Flug geht um 1400 von Jamaika über Miami, Sao Paulo nach Joao Pessoa, Patricias Heimat. Angedacht sind knapp 23 Stunden. Alles zeitlich mit kleinen Zeitpuffern geplant. Als der Schalter dann öffnet, teilt man uns mit, das wir für den 1,5 stündigen Transitaufenthalt am Flughafen Miami ein sog. ESTA-Visum benötigen. Wir waren dauerhaft im Glauben, das dies nicht nötig sei, da wir den Flughafen nicht verlassen. Aber… Gut, wir erhalten die online-Adresse der amerikanischen Behörde und haben noch knapp 2 Stunden um im WLAN des airports unser Visum zu beantragen.
Das WLAN war schrecklich langsam. Der Zugang im System der amerikanischen Bürokratie für unseren erlaubten Zugang gestaltete sich schwieriger als gedacht. Die Bezahlung mit Kreditkarte war zum Glück möglich. Aber es dauerte und dauerte an. Diverse Rauswürfe des WLAN und auch der Amerikaner kosteten uns unendlich Zeit. 10 Minuten vor Abflugzeit gingen wir zum Schalter und zeigten dann glücklich unsere ESTA-Buchungs-Nummern. Die Pässe in der Hand, die großen Rucksäcke schon auf der Waage liegend, warteten wir auf das ‚go‘ der CheckIn-Dame. Ihre Stimme klang dann aber nicht so freundlich, denn die Amerikaner hatten uns die Anmeldung zwar bestätigt, im globalen System jedoch noch nicht freigeschaltet, sodass man uns den Flug verweigerte. Selbst ein emotionales Gespräch mit der Vorgesetzten der American Airline (AA) half nicht weiter. Nach einiger Wartezeit und horrenden Rechenbeispielen unserer weiteren Reise in meinem Kopf, kam ein Mitarbeiter von AA auf uns zu und bot uns seine Hilfe an. Und die hatte er wahrhaft. Er hatte einen Weiterflug über Miami nach Sao Paulo für den Folgetag für uns, ohne Aufpreis. Das war super, auch wenn der Weiterflug zu Patricias Mutter damit hinfällig war. Das Problem mussten wir später klären, es gab keinen Ansprechpartner für uns vor Ort.
Die nächsten 13 Stunden incl. Nacht verbrachten wir am jamaikanischen Flughafen. Die Sitze waren bequem, zum sitzen aber nicht zum schlafen geeignet. Netflix und langsames WLAN überbrückte unsere Zeit. Entsetzlich war die Dauerbeschallung in der Nacht mit amerikanischer Weihnachtsmusik. Fast nur amerikanisch, denn es lief witziger Weise auch ‚Oh Tannenbaum‘ mit amerikanischen Slang.

Sitzen ja ! Schlafen fast unmöglich !

Übermüdet flogen wir um 0600 nach Miami. Dort durften wir dann für unsere 28 Euro ESTA-Gebühren für wenige Stunden amerikanischen Boden betreten. Für unseren gut 8-stündigen Weiterflug nach Sao Paulo gab es dann eine Überraschung. Man wies uns zwei Plätze im Businessbereich zu. Bequeme breite Sessel, besseres Essen, freie Alkohol-Drinks und diverse Reise-Utensilien, wie Schlafmaske, top Kopfhörer. Glück gehabt. Patricia bemerkte eine brasilianische Familie, deren Vater laut darüber sprach, das er mitbekommen habe, das die freien Sitzreihen um uns herum auch frei bleiben würden. Als seine Tochter daraufhin eine dieser Reihen bezog, taten wir dem gleich und flogen somit mit unerwarteter Bequemlichkeit und Service nach Sao Paulo. Alles sehr entspannt.
Angekommen begaben wir uns zur brasilianischen Fluggesellschaft Gool. Patricia klagte unser Leid. Auf die Nachfrage, wie sowas denn passieren könne, zuckte Patricia die Schultern und konnte sich das Verhalten der AA auch nicht erklären. Das kleine ‚ESTA-Problem‘ verheimlichte sie klugerweise. Wir erhielten schlussendlich einen Flug für 1100 des Folgetages. Unser Gesprächspartner von Gool hatte dann eine für mich fragwürdige Idee, indem er uns riet bei der verursachenden Airline AA nachzufragen, ob aufgrund der Uhrzeit von nun 2330 Uhr nicht eine Übernachtung möglich sei.
Während ich das für abwegig hielt, bemühte sich Patricia mit einfühlsamen Worten anschließend bei AA. Und dort geschah das Unerwartete. Wir erhielten eine Übernachtung im Marriot-Hotel in Sao Paulo, incl. Transfer hin, Abendessen a la carte, Frühstück und Transfer zurück. Alles auf Kosten von AA. Gegen 0100 Uhr bestellten wir uns im Zimmerservice ein sensationell leckeres Filet Mignon und ebenso köstliche Mousse Chocolate. Wir schliefen anschließend zwar nicht lange aber sensationell gut !! Danke AA. Gut gemacht Patricia. Sorry AA, für die kleinen ‚Notlügen‘.

Das gefiel uns !!

Am Nachmittag kamen wir dann, einen Tag später als geplant, in Joao Pessoa, Patricias Heimat an. Unsere ersten Wege in der ‚heimischen‘ Sonne am Strand ließen uns den Stress der vergangenen Tage schnell vergessen. Schön wieder hier zu sein.
Dieser für uns erlebnisreiche Trip von Jamaika nach Brasilien erhielt einen weiteren glücklichen Zuschlag. Der liebe Gott oder eine andere einflussreiche Macht oder auch nur der Zufall schien es gut mit uns gemeint zu haben. Wie wir aus den Medien und von Freunden erfuhren, geschah am Tag unserer eigentlichen Ankunft, das der Flughafen in Joao Pessoa von einer wohl 15-köpfigen kriminellen Bande heimgesucht wurde. Alle Aus- und Eingänge wurden zugestellt und alle Menschen, Passagiere wie Angestellte, wurden ihrer wertvollen Utensilien beraubt.
Alles nahm für uns ein vorübergehendes gutes Ende.
Wir atmeten aus und verbrachten die Weihnachtszeit nun bei Patricias Familie.
Es verlief eigentlich alles harmonisch und unproblematisch, wenn da nicht…

Mehr dazu im nächsten Bericht !

 

 

Jamaika gefällt uns nicht

Ich versuche regelmäßig dienstlich am Reggae Festival „Summer Jam“ am Fühlinger See teilzunehmen. Zum einen mag ich Reggae und außerdem sind Reggaefans und die Rastafaris äußerst entspannt. Also freute ich mich aktuell besonders auf Jamaika. Dem Zuhause des Reggae. Mit Godfather of Reggae Bob Marley, Peter Tosh und anderen.

Ich hab versucht mich einzulesen was es mit Reggae, Rastafari, Dreadlocks und ‚YAH Mann‘ etc. auf sich hat. Ich hoffe es ist sachlich richtig sowie verständlich zusammengefasst und lässt euch unsere Momente hier besser verstehen.

Rastafaris sind eine Glaubensgemeinschaft deren biblischen Ursprung in Afrika, in Äthiopien liegt. Der letzte Kaiser von Äthiopien, namentlich ‚Haile Selassie‘ wurde 1892 als Täfäri Makonnen geboren und starb 1975. Haile Selassie strebte als Sohn eines Gouverneurs nach höherem und gelangte mit teilweise ungeklärten fragwürdigen Methoden in die Regierung und später in das Amt des Königs. Sein Titel war König der Könige. Er sah sich selbst als Nachkomme Salomons, welcher laut Bibel ein Ahne Jesus war. Er erhielt den Titel ‚Ras‘, was Kopf bedeutet und ein äußerst hoher Titel am äthiopischen Kaiserhof darstellt. Der jamaikanische Gründer der ‚Back-to-Africa-Bewegung‘ Marcus Garvey sagte 1920 voraus, das in Afrika ein mächtiger großer König gekrönt werden würde. Als Haile Selassie 1930 gekrönt wurde sah man in ihm die Erfüllung der Prophezeiung. Mit seinem Titel ‚Ras‘ sowie seinem Vornamen ‚Täfäri‘ entstanden die Rastafaris. Bei einem Besuch auf Jamaika in 1966 wurde er von den Anhängern der Rastafari dann auch persönlich ‚erkannt‘. Manch Rastafari verehren ihn gottähnlich als wiedergekehrten Messias.
Einige Rastafaris haben sich einem asketischen Gelübde verschrieben und trinken keinen Alkohol, rauchen keinen Tabak und schneiden sich nicht die Haare. Ferner gilt es einer veganen Ernährung. Der Konsum von Marihuana ist dem erlaubten Genuss von Heilkräutern zu verdanken. Der Jamaikaner Bob Marley und Musiker um ihn herum schafften es das Bedürfnis nach Freiheit, Liebe, Unterdrückung und Glauben etc. musikalisch in einem neuen Stil ‚Reggae‘ weltberühmt zu machen.

Für Patricia und mich ging es erstmal von Havanna nach Kingston.

Bunte Mischung an Schuluniformen am Bahnhof in Kingston.

Wir hatten eine Unterkunft bei Tory über airbnb gebucht, obwohl manch Bewertung nicht so sehr gut war. Mit einem Taxi fuhren wir zu der auf airbnb angegebenen Adresse. Leider fanden wir das Haus nicht wie abgebildet. Wir klingelten an einem Tor. Es kam eine ältere Dame, irgendwie gekleidet zwischen Schlaf-, Küchen- und Freizeitlook. Dieses kleine durcheinander erklärte sich als sie näher kam. Sie hatte eine heftige Fahne. Es war 1600 Uhr und sie nicht unserer Vermieterin. Ein Nachbar, ein Rastafari und gefühlte 120 Jahre alt kam hinzu und war nicht an der Suche sondern eher an unserem ausländischen Erscheinungsbild interessiert. Die Konstellation Brasilien und Deutschland gefiel ihm. Mit irgendeiner wagen Beschreibung ging es nun weiter. Es war warm und das Gepäck schwer. Ich trug neben dem Rucksack noch unsere Fundstücke der Reise (eingewickelt in der blauen Folie und 18 kg schwer). Nach gut 45 Minuten fanden wir das Haus. Ich war verschwitzt und sauer, ob der falschen Adresse. Als Tory uns dann öffnete, strahlte er jedoch eine derartige Liebenswürdigkeit aus, das mein Argwohn verflog.

Tory (Sohn eines Chinesen und Jamaikanerin) … smart und überaus freundlich.

Unser Zimmer war sehr einfach und spartanisch. Warmes Wasser gab es nicht. Im Zimmer neben uns war ein junges tschechisches Pärchen, die sich seit knapp zwei Jahren bereits die Welt ansahen. Mit ihnen, Tory und Bruder gingen wir dann 20 jamaikanische Minuten zu einem Supermarkt. Wir brauchen nach europäischer Zeit jedoch gut 45 Minuten. Tory beriet und erklärte alles äußerst hilfsbereit. Als Empfehlung gab es zum Abend noch ein Jerk-Chicken, ein in einem halben Ölfass auf Holz gegrilltes Hühnchen mit örtlich spezieller würziger Jerk-Soße (Jerk kommt aus der ‚Quechua-Sprache‘ für ch’arki und bedeutet wohl getrocknetes salziges Fleisch (Quechua ist die alte Sprache der indigenen Völker der Anden – die Outdoor-Marke von Decathlon wurde nach ihr benannt)). Dieses besondere Aroma des getrockneten Fleisches wird dem Grillhühnchen als Jerk-Würze zugetan. Absolut lecker !!

Ölfass, Chicken, Grill-Reggae-Master

Nach einer Nacht ging es bereits mit dem Bus nach Port Antonio. Über die App maps.me hatte ich ein paar Hostels ausgesucht. Dem Reggae-Gott muss man irgendwas in den Joint gemischt haben, den es regnete entsetzlich bei unserer Ankunft.

Blick aus einer Holzhütte, die als Bar dient, wo wir einem Regenguss entflohen und unser erstes ‚Red Stripe‘-Bier tranken.

Wir hetzten von Hostel zu Hostel. Entweder belegt, kein eigenes Bad vorhanden oder einfach zu dreckig. Irgendwann meinte ein Hostel-Guide zu wissen was gut für uns ist. Er meldete uns im Nachbarort bei einer ‚richtig tollen Unterkunft‘ an. Wir würden begeistert sein. Der Hostelbetreiber Alex würde uns auch abholen. Das tat er und führte uns mit Taxi zu seinem Hostel, was schlimmer war als die vorher gesehenen. Aber es war 2200 Uhr. Es regnete immer noch. Wir hatten Hunger. Patricia versuchte das Zimmer ein wenig wohnlich zu gestalten. Ich holte in einem nahen Kiosk Eier und Brot. Vor dem Kiosk lümmelten Halbstarke mit Joint auf den Lippen herum. Irgendwoher dröhnte Musik. Genau, Reggae. Im Kiosk gab es einen Verkaufsraum hinter Gittern, der eine kleine Durchreiche besaß, so groß wie ein großer Schuhkarton. Der Heimweg ging wieder über diese Straße die nur aus Kies bestand und diverse Furchen aufgrund des Regens hatte. Sie war schlecht beleuchtet. Es sprach mich im dunkeln ein dunkelhäutiger mit stylischer Frisur an. Er war einer der Halbstarken. Woher ich denn komme? Wie ich Jamaika fänd ? Wo ich denn wohnen würde ? Ahh bei Alex ?! Alex sei ein Freund und alle seine Gäste wären auch Freunde von seinen Freunden !! Also müsse man als Willkommen Freundlichkeit auch was zusammen trinken ! Ich könne daher jetzt ein Bier ausgeben !!

Sein Ansinnen war zwar taktisch gut vorgetragen, hatte mich aber nicht überzeugt. Mein Gesprächspartner war nun nur durch die Frage nach dem ‚Warum ???‘ und Missachtung sowie der Ansicht meines Rückens zur Aufgabe gezwungen.

Nach einem kurzen Abendmahl mit Brot und Rührei ging es ins Bett. Am spärlichen Frühstückstisch tagsdrauf gesellte sich der 4-jährige Sohn von Alex hinzu. Es war amüsant mit dem äußerst aktiven Burschen.

Hilfsbereiter Sam
Weiterfahrt im Bus mit Einheimischen. Die Dame mit roter Cap verteidigte ihren Platz mit Rennrad vehement.
Haariges generationsübergreifendes Design.

Zeitnah brachen wir wieder auf. Unser Ziel hieß nun Montego Bay. Ein Touriort. Die Suche dort nach einem Hotel gestaltete sich ebenfalls schwierig. Nicht wegen der Qualität, sondern wegen der hohen Preise. Irgendwann ging es nicht mehr günstiger als 50€. Das Wetter zeigte uns zwei Tage lang das regnerische Montego Bay.

Das einzig nette am Hotel war der Pool, der aber bei dem Regen nicht genutzt wurde.

Die Gegend war nicht schön. Ärmlich. Dreckig. Seltsame menschliche Gestalten? Jeder zehnte wollte weed (= Marihuana) verkaufen. Auch Taxifahrer boten an, das man in ihrem Fahrzeug auch weed rauchen dürfe. Als unübersehbarer Nicht-Jamaikaner bekam ich oft die Ansage: “ Hey, white Nigga, where are you going?“ oder „Hey Bro“. Vielfach wurde mir die Hand mit „Hey, my friend“ gereicht. Meist ging es um Tourangebot, Taxi oder weed. Die ausgestreckte Hand wurde dann abgestriffen und anschließend als Faust an der des Gegenübers angestoßen. Da manch einer dieser freundlichen Gesellen ein eher großes hygienisches Problem hatte, reduzierte ich den Handschlag irgendwann nur auf das Anstoßen mit der Faust. Das reduzierte den Ekel und war nicht unfreundlich. Dieses erwähnte Handschlag-Ritual begleitete uns die gesamte Zeit auf der Insel. Die freundliche Ablehnung manch eines Angebotes erbrachte dann meist (phonetisch): „Ja Mann… Respekt!“ Dieses JA (oder schriftlich JAH oder YAH) rührt wohl ausgesprochen vom ursprünglich hebräischen Eigennamen von Gott her, nämlich JHWH ( = Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe. Du sollst keine ändern Götter haben neben mir).

Dieses JHWH ist tausendfach im Tanach (hebräische Bibeltexte) als Gottes Eigenname genannt.

Resultierend stellen wir fest, das unsere bisherigen Tage auf der Insel uns nicht wirklich glücklich machen. Es regnet viel. Es ist teuer. Es ist nicht schön. Es ist arm. Es ist dreckig. Der Reggae ist bisher schrecklich.

Eine Veränderung musste her ! Unser Weiterflug ist terminiert, sodass wir die verbleibende Zeit wohl auf der Insel verbringen müssen.

 

Vielfältige Schätze !?

Um mehr von Kuba zu sehen, reisen mir mit kleinem Gepäck per Bus nach Trinidad. Unsere großen Rucksäcke lassen wir bei Valia, da wir dort noch eine Nacht vor dem Weiterflug verbringen.
Nun erstmal ging es mit einem Shuttle für 8 Personen 6,5 Stunden nach Trinidad, dort in ein kleines freundliches Familienhotel. Der Park im Zentrum ist nett.

Eine ältere Dame möchte ich doch erwähnen. Wir kamen ins Gespräch als wir an ihrem Haus stehen blieben und uns ihre selbstgemalten naiven / sehr naiven Bilder anschauten. Sie ist 82, trägt einen küchendreckigen klassischen Arbeitskittel und hat mal einige Jahre mit Deutschen zusammengearbeitet. Sie sei immer noch begeistert über deren Arbeitsmoral und Pünktlichkeit. Ihr 86-jähriger Mann gesellt sich dazu. Schlafanzughose und Unterhemd. Mann kann sehen, das er seiner Frau wohl in der Küche hilft. Er führt mich etwas weiter auf die Straße und zeigt mit der Hand in die Ferne. Er deutet auf zwei nebeneinander liegende Berge und beschreibt sie mir deutlich als Brüste. Er hat großen Spaß bei seiner Schilderung.


Wir denken kurz darüber nach weiter nach Guantanamo zu fahren. Man kennt diesen Ort meist aus zwei Gründen. Als Gefangenenlager der Amis. Oder aus dem Lied ‚Guantanamera, Guajira Guantanamera‘ im Original aus den kubanischen 30ern, in dem die Frauen aus dem Ort besungen werden. Für uns kein zwingender Grund dorthin zu fahren. Also weiter.

Vormittags erfragen wir den Bus nach Guradalavaca. Der kleine Ort liegt an einem wunderschönen Strand. Witzig ist seine namentliche Übersetzung: ‚Pass auf die Kuh auf.‘ Am Terminal erhalten wir lediglich eine handschriftliche Notiz und den Hinweis um 1900 dort zu sein und uns an Jordanis zu wenden. Pünktlich sind wir da. Ein Jordanis nicht. Eine dicke schwarze rauchende Frau mit blondierten Haaren auf dem Kopf und unblondierten auf den Zähnen. Wir reichen ihr den Zettel. Sie nimmt ihn, unser Fahrgeld und lässt uns hinsetzen. Unsere Frage nach einem Ticket belächelt sie und bittet uns zu warten. Es kommen immer mehr Menschen. Um 2000 soll der Bus abfahren. Noch mehr Menschen kommen. Sie verteilen sich in der Halle. Wir geraten gefühlt immer mehr in den Hintergrund. Erneute Nachfrage. Ihr Rauch bläst mir ins Gesicht. Sie scheint ungehalten und zeigt auf unsere Wartebank. Sie mache das schon. Wir sind überfordert mit dem hiesigen System. Das was wie die eigentliche Zugangstür zum Bus aussieht ist zugestellt mit Taschen und wartenden Menschen. Wir sehen den Bus. Er ist viel zu klein für alle Wartenden. Wir sind beunruhigt. Bitte nicht noch eine Nacht in dieser Stadt.
Es wird 1955. Die ‚Dame‘ kommt plötzlich aus dem Dunkeln, zeigt aus der Ferne mit dem Finger auf uns und wir sollen ihr folgen. Sie führt uns in einen unbekannten Raum. Wir sehen einen kleinen Altar. Was soll das ?? Sie verschwindet wieder.


Patricia und ich gucken uns an. Dann öffnet sich eine Tür, die Lady zeigt sich und wirkt gehetzt. Wir sollen schnell machen und eilen hastig zu ihr. Hinter der Tür steht … der Bus. Wir befanden uns im VIP – Raum auf kolumbianisch und steigen nun als erste in den Bus ein. Alles gut. Danke.
Es passen übrigens alle in den Bus. 15 haben nur keinen Sitzplatz für 3 Stunden.

In Guradalavaca haben wir noch keine Unterkunft, wegen schlechtem bis gar keinem Internet im Vorfeld. Ein Taxifahrer hilft uns. Er bringt uns zu seiner Nachbarin, die zwei Gästezimmer hat. Wir gehen zeitnah zu Bett. Am Morgen werden wir geweckt vom Grunzen eines großen Schweines. Sind halt auf dem Land. Nach dem Frühstück machen wir uns auf zum Strand. Ein schöner Strandspaziergang entspannt.

Gegen 1700 Uhr kommen wir kurz zurück zur Gastfamilie. Dort erkennen wir den wahren Grund der Anwesenheit des Schweines heute morgen. Die Enkelin des Hauses feiert ihren 18ten und hat Gäste eingeladen. Es gibt Schwein am Spieß. Im Hof dreht wohl schon seit Stunden der Opa das Schwein über der Glut in einem alten halben Fass. Patricia und ich stehen nun auch auf der Gästeliste und sind zum Essen eingeladen.

Wir sitzen mitten unter der Gästeschar. Einige der jungen Menschen sprechen gutes Englisch. Sie denken kosmopolitisch, beschreiben ihre Zukunft aber auf Kuba, das sie sonst ihre Familien und Freunde verlassen müssten. Das erscheint für sie nicht vorstellbar. Viele ihrer Jahre des Studiums in Kuba erhalten im Ausland keine Anerkennung, sodass sie neu anfangen bzw. Zeit Ihre Lebens vertan hätten. Selbst ein oft formuliertes Ziel von weltweiten Reisen stellen sie bewusst in den Hintergrund. Die Hoffnung auf ein weltoffenes Kuba zeigt sich dennoch in den jungen Stimmen.
Den folgenden Sonntag verbringen wir wieder am Strand. Dort sehen wir zwei Herren die einen ca. 4 Meter langen handgelenkdicken Ast tragen, auf dem mittig ein lecker gebratenes Schein aufgespießt ist. Schon wieder. Es ist für eine vierköpfige Familie, die am Strand sitzt. Der Vater kommt zu uns und lädt uns ein. Angeblich seien Familienmitglieder abgesprungen und für einen kleinen Obolus dürften wir mitessen. Sehr freundlich, unsere Zeit ist jedoch knapp, aber danke schön.

Die Küchenhilfe unserer Vermieter Johanna hat das erste gleiche Ziel wie wir. Sie muss weiter nach Guantanamo, wo ihr Mann und Sohn im Gefängnis sitzen, wohl für drei Jahre. Wir erfahren nicht warum. Ich würde ja fragen wollen, aber meine true fleißige Dolmetscherin hält nichts von dieser intimen Frage. An der Haltestelle sind drei Busse. Eigentlich genug für die Anwesenden Menschen. Die Busse sind jedoch nur für Einheimische und für ganz kleines Geld. Touristen ist es verboten mitzufahren. Johanna spricht mit dem Busfahrer. Dieser winkt hektisch mit der Hand und schickt uns ganz nach hinten und wir sollen nicht sprechen und auffallen. Nicht reden können wir, nicht auffallen ist für Patricia einfacher. Mich erkennt man sofort – Sauerländer halt. Alles geht gut. Wir müssen in Holguin den Bus wechseln. Unser Ziel ist Varadero zu Schatzsuche, Strand und Tauchen. Da der eigentliche Bus dorthin erst am Folgetag fährt, nehmen wir den nächsten passenden Reisebus, der uns in 11 Stunden nach Havanna bringen soll. Er startet um 2100 Uhr.
Die Fahrten im Nachtbus und die Strassenqualität in Mexiko waren sehr rukelig, sodass ich teilweise kaum schlafen konnte. Damit dies nicht nochmal passiert kaufte ich mir Schlaftabletten. Ich hoffte so einfach 5-6-7 Stunden runterzufahren und nicht gestresst am Zielort anzukommen.
Also im Bus noch ein wenig Musik gehört und gegen 2300 Uhr eine Tablette eingeworfen. Ich war wohl nach 20 Minuten weg. Mein Plan schien zu funktionieren. Hatte alles so gut durchdacht. Leider kam es dann doch ganz anders. Gegen 0100 Uhr fuhr ein Pkw auf unseren Bus. Wir standen und warteten zwei Stunden auf die Polizei. Patricia und ich saßen in der zweiten Sitzreihe. Das Licht war eingeschaltet. Leute liefen hin und her, raus und rein. Manche schimpften da sie ihren Flug zu verpassen drohten. An Schlaf war nicht zu denken. Dann endlich ging es weiter. Ich war schnell wieder weg, für eine Stunde, denn an einer Polizeiwache wurde erneut angehalten. Wieder für ungefähr zwei Stunden. Das gleiche Spiel. Entsetzlich. Ich war total durch den Wind. Als dann scheinbar alles erledigt war, fuhren wir weiter und ich wieder runter. Eine Stunde durfte ich weiterschlafen, bis wir in einem größeren Ort hielten. Alle Fahrgäste mussten raus, irgendwas wurde am Bus repariert. Es wurde derweil wieder hell. Ich stand dort dann knapp 2 Stunden einfach so rum und fühlte mich wie zugedröhnt. Schrecklich. Schrecklich. Eine passende Sitz-Schlafmöglichkeit gab es nicht, alles eher dreckig, morgendlich laut oder die Sonne zeigte ihre Stärke.
Irgendwann schlief ich dann doch noch so 3 Stunden im Bus, bevor wir gegen 1600 Uhr in Havanna ankamen.
Am Busbahnhof suchten wir eine Transfer nach Varadero. Wir waren nicht die einzigen und kamen so in ein Gespräch mit einem amerikanischen Paar. Wir teilten uns ein Taxi und wir taten gut daran. Magdalena und Warren sind äußerst liebenswert. Wir hatten angeregte Gespräche in den zwei Stunden nach Varadero. Wir kommunizieren aktuell weiter per whatsapp und haben zugesagt ihre Einladung nach Kalifornien anzunehmen.
Erneut half uns ein Taxifahrer bei der Unterkunftvermittlung. Zwei Nächte blieben wir. Wir genossen Sonne und Strand oben und die Fischwelt unten.


Dann war da noch eine Aufgabe:    Die Schatzsuche.

Der Karte und Hinweisen folgend fanden wir dann nach vorgegebenen schritten einen Steinhaufen, der ähnlich der Abbildung war. Er war nach 10 Wochen zugewachsen. Nach kurzer Räumerei fanden wir dann eine kleine Öffnung, in der sich eine Tüte verbarg. Neben einer Internetkarte, einer Flasche Rum, Cuba-Anhänger und dem letzten CUC-Groschen noch ein lieber Brief von MundM. Gut gemacht ihr beiden. Wir haben uns gefreut. Danke schön dafür !
Fotos Schatzsuche
Zurück in Kuba hatten wir kaum die Tür zu Valia überschritten, bat sie uns an den Tisch und schaute uns mit großen Augen an: „Erzählt mir von der Schatzsuche. Was war der Schatz ?? Zeigt ihn mir !! Haltbar ihn direkt gefunden ? Erzählt mir alles !“ Sie war begeistert wie ein Kind vor Weihnachten.
Ein herzlicher Abschied von Valia entließ uns tagsdrauf aus Havanna, aus Kuba.

Havanna ist eine Reise wert. Absolut.
Und umarmt Valia von uns !!

 

My dears Patricia and Jurgen:
I am very glad receiving your message. We are all very well. My daughter came from Mexico on Thursday. Very frequently I talk about you and the good moments that we had during your visit. You are a very special couple, that gives optimism and a lot of positive anergy: exactly as the
people I like. I wish you and your family (the brazilian and the german part) all the best for the 2018, I am sure you will enjoy the view during the new Year Eve!!
I am sending many kisses, Valia

Senior Castro is everywhere

Wenn man schon mal in Mexiko ist / war, dann ist Kuba nicht wirklich weit entfernt. Die Küsten sind ca. 200 km voneinander entfernt. Nach Havanna sind es dann doch 500 km. Im Wissen das die Kubaner keine Sozialschmarotzer haben wollen (meine Interpretation der Auflage), mussten wir zur Einreise bereits einen Ausreiseflug parat haben. Hatten wir, wobei… ich hatte zum Ende hin nicht das Empfinden in Kuba bleiben und leben zu wollen. Zumindest nicht, da ich ich in Europa aufgewachsen bin und unsere Freiheiten, Vorzüge und Möglichkeiten kenne.

Aber gut. Zeitsprung zurück.

Mein Schwesterchen M. verbrachte mit ihrem Mann M. ihr Honeymoon auf Kuba, genauer in Varadero. Dies bereits im September. Patricia und ich hatten angedacht sie zu dieser Zeit dort zu besuchen. Da wir jedoch in Belize waren, standen diesem Vorhaben die Argumente Zeit, Entfernung und Geld entgegen. Schade drum. Hätten uns auf eine lustige Zeit gefreut. Im Wissen das wir doch später noch nach Kuba wollten, entstand die Idee das MundM dort irgendwo einen ‚Schatz‘ verstecken und Patricia und ich diesen mit einer Schatzkarte als Anleitung suchen müssen. Später mehr dazu.

Erstmal rein noch Kuba.

Unser Flug von Cancun nach Havanna war unproblematisch. Beim CheckIn in Cancun den Weiterflug von Kuba nach Jamaika als digitale Datei im Handy vorgelegt. Alles gut. Also… geht auch digital modern. Im Flughafen Havanna dann waren elendlange Schlangen von Menschen mit vollen Kofferwagen. Sichtbar waren Kartons die auf Flachbild-Fernseher, Computer, Microwellen und Musikanlagen etc. hindeuteten. Schienen wohl begehrte Artikel zu sein. Ein Herr hielt eine sichtbar schwere Tasche vor sich und rief gefühlte 30 Minuten den Namen eines Herrn. Dieser hatte wohl seine ähnlich aussehende Tasche an sich genommen. Als wir den Airport verließen suchte er immer noch. Der arme Kerl.

MundM hatten sich für eine Tour in die Hauptstadt Havanna über airbnb eine Unterkunft bei Valia gebucht. Beide waren so begeistert von Valia in Havanna, dass wir dort ebenfalls um Unterkunft baten. Valia sagte per Mail zu, schrieb aber einen Tag vor unserer Anreise, das sie vergaß ihre Unterkunft bei airbnb für uns zu blocken. Leider kam ein kanadisches Pärchen und buchte ‚unser‘ Doppelbett. Da Valias Eltern (beide Ü70) aktuell im Ausland waren, erhielten wir deren großes Schlafzimmer als Nachtlager. Da Valia als freundliche und äußerst lustige Person beschrieben wurde und uns ihre Art zu schreiben gefiel, änderten wir die Unterkunft nicht.

Wir sind nun aber noch am Flughafen und begeben uns zum Infostand und fragen nach dem besten Weg zu unserem Ziel zu Vali. Hinter uns stand plötzlich ein Herr. Dieser fast 60-jährige bewarb seinen Transfer für 30 Dollar und nannte das Wort Taxi. Er führte uns durch diverse Gänge, helle Gänge, dunkle Gänge, bis wir dann irgendwann nach gefühlt 15 Minuten vor einem wirklich alten grünen Lada standen. Wir stiegen ein. Er ebenso, jedoch auf der Beifahrerseite. Wir waren irritiert. War er gar kein Taxifahrer und wir sind auf seine schwarze-Hose-weißes-Hemd-Uniform reingefallen ? Ein junger Mann, groß und breit wie ein Schrank mit dieser überaus modernen und gut aussehenden fast-Glatze-Frisur und gleicher Kleidung wie der Herr stieg als Fahrer ein. Weiterhin herrschte Ungewissheit bei uns. Beginnt jetzt bereits der ungemütliche Teil unserer Kubareise ?
Fast jede Fahrtbewegung hinterfragte der Fahrer mit einem prüfenden Blick zum Beifahrer. Es fühlte sich an wie eine Überprüfungsfahrt, mit uns als Achslast. Wie oftmals verglich ich die Fahrstrecke mit der Route in meiner App. Alles gut soweit. Wir entfernten uns von den kleinen Bedenken und lenkten unsere Aufmerksamkeit dem Geschehen um uns rum. Die Autos bliesen gut sichtbar ihre dunklen Abgase hinaus. Es dauerte nicht lange das uns die Vielfalt der Automodelle faszinierte. Neben den alten Autos aus russischer und DDR Produktion erfreuten wir uns an den wunderschönen Klassikern der amerikanischen Automobilindustrie aus den 40-50ern (denke ich). Wahnsinn. Teils sensationell restauriert, teilweise extrem vernachlässigt.

Straßenbild Havanna: historische Gebäude – historische Fahrzeuge
Hier ganz normales Straßenbild.
…gaaaanz normal.

 

… auch diese Vehikel aus der östlichen Produktion gehören zum Straßenbild. Das diese vier Exemplare am Fahrbahnrand ‚stehen‘ ist nur Zufall.

Bei Valia angekommen, begrüßt Sie uns herzlich und entschuldigt sich vielmals vielmals vielmals für ihre Fehlbuchung. Wir sehen das große Zimmer und Bad ihrer Eltern im artdeco-Style und freuen uns ob des Umstandes. Wir sehen das Haus. Vieles erinnert an eine gute alte Zeit. Möbel mit viel Glas und Spiegel sind nicht unser Geschmack, aber gefallen uns sehr für den Moment. Valia schafft ein wohliches Gefühl. Wir drei merken schnell, das wir gut zusammen passen. MundM hatten absolut recht. Eine lustige Frau Anfang der 50er. Wären MundM ebenfalls hier, wir wären wohl dauerhaft als 5er-Gruppe unterwegs gewesen.

Zur Erkennung hisste Valia die Flagge.
Flur
Wohn-/Esszimmer.

Valia-Patricia-Jürgia (oder so)

Valia ist Mathematikerin und Analytikerin und unterrichtet an der hiesigen Universität. Wir bleiben 3 Nächte bei ihr. Anschließend wollen wir die Insel bereisen. Sie macht sich direkt Gedanken um unseren Aufenthalt und unsere weitere Planung. Mehrmals erwähnt sie dies und das und holt zwei Ordner hervor mit unzähligen Visitenkarten. Karten mit Hotels, Taxifahrern, Shuttle, Busunternehmen und allen möglichen Leuten die man mal brauchen kann. Für fast jede größere Stadt auf Kuba. Sie ist organisiert. So schnappt sie sich mehrmals das Telefon und bucht uns Shuttle wie auch Hotels auf Kuba. Im Gespräch hinterfragt sie mein Tattoo aus Mexikostadt und erwähnt, das ihr junger Nachbar Alejandro seit langem Maler sei und seit einigen Jahren auch Tattoos sticht. Wir haben den Wunsch auf Ansicht seiner Bilder kaum ausgesprochen, hält sie das Telefon am Ohr und hat seine Mutter dran. Eine Stunde später sehen wir seine Bilder. Am Folgetag haben wir einen Termin für ein neues Tattoo. Es läuft !!

Kunst darf alles !! Uns gefällt das Bild sogar sehr ! Wäre auch ‚günstig‘ zu haben gewesen.
Kunst(-Einblicke) oder doch Ausblick !?

Als wir Valia von dem Projekt der Schatzsuche erzählten war sie hellauf begeistert. Sie wäre am liebsten mitgefahren. Die Schatzkarte beäugte sie eingehend und erdachte diverse Schätze die auf uns warten würden. In ihrer Euphorie ersann sie den Gedanken, das MundM vielleicht auch bei ihr zu Hause einen Schatz versteckt haben könnten. Manchmal aus dem Nichts sprach sie wieder von der Schatzsuche und hatte große Augen. Es machte richtig Spaß mit ihr.

Kuba hat zwei Währungen. Die Touris nutzen CUC, was die Hälfte des US Dollars darstellt. Die Einheimischen nutzen CUP, was einen lächerlichen Teil des CUC darstellt. In Geschäften wird in der Regel mit CUC bezahlt. Beim Wechselgeld gilt es ein wachsames Auge zu behalten, denn der CUP sieht dem CUC ähnlich und manch ausländischer Gast soll so für teures Geld bereits  billiges zurückerhalten haben.
Um das Internet nutzen zu können, muss man entweder in größere Hotels ziehen oder in öffentliche Parks Ehen. Dort muss man Karten kaufen zu je 2 CUC für 60 Minuten Wifi. Die Verkäufer sind nicht zu erkennen. Sie kommen plötzlich aus dem nichts und fragen nach Internet. Dann bitten sie zu warten. Entweder gehen sie für einen Moment in ein Haus oder zu einer Stelle wo sie die Zugangskarten gebunkert haben. Sie schauen sich diverse Male um, wenn der Deal über die Bühne geht. Es fühlt sich komplett verboten an. Ich habe mich gefühlt wie bei einem Drogenkauf. Auch wenn es alle machen, so soll es nicht erlaubt sein, diese Karten über Privatpersonen in den Parks zu kaufen. Wie wir später erfahren, kann jeder diese Karten in Geschäften der Internetfirmen kaufen, für 1,20 CUC. Man darf nicht einfach so ins Geschäft gehen. Vor der Tür ist eine Menschenschlange, wobei man einzeln vom Türsteher in Uniform eingelassen wird. Einheimische bekommen nur ein kleines Kontingent an Internet-Karten. Damit die „Dealer“ ein irgendwie lohnenswertes Geschäft führen können, stehen sie am Eingang dieser Geschäfte und quatschen jeden Kubaner an, das dieser doch Karten für sie kaufen solle. Das funktioniert auch meist.
Valia erzählt, dass der einfache Bürger Kubas erst seit ca. 1 Jahr das Internet nutzen kann/darf. Staatliche Einrichtungen, Militär, Krankenhäuser und Universitäten hätten bereits seit vielen Jahren internetfähige Rechner. Sie selbst könne von zu Hause nur Internet nutzen, da sie sich in das System der Universität einloggen könne.

Public places mit internet -Zugang für Jedermann.

Patricia und meine Spaziergänge in den Straßen Havannas haben was sehr spezielles. Überall zeigen sich lebende Bilder. Bilder voller kubanischer Musik vom ‚Buena Vista Social Club‘, Salsa, Mojitos, Cuba Libre und die erwähnten amerikanischen Autos. Galerien, Cafés und Restaurants erwecken einen normalen Eindruck. Alte Gebäude und Wehranlagen zeigen sich in toll restauriertem Zustand.

Strassenbekanntschaft.
Wie gesagt: alles normal auf Kuba.
Taxi
Straßen… ihr wisst schon.
handtouched
Falscher Kubaner mit kubanischen Getränk (begeisterte mich nicht so richtig) mit falschem Bierdeckel.

Der Kontrast dazu ergibt sich durch die Schattenseiten Havannas. Die Lebensmittelgeschäfte sind voll mit Waren, jedoch anders als in Europa. Wenn man in Europa 1000 verschiedene Artikel findet, so erkennt man hier gefühlt 150, aber damit sind die Regale randvoll gefüllt. Unser Versuch zu hausgemachtem Kaffee Milch zu kaufen, führte uns vergebens in drei Geschäfte. Keine Milch vorhanden… ‚Morgen vielleicht‘ so der häufige Kommentar. In einem Café bekamen wir dann 1/2 Liter Milch, abgefüllt in eine Havanna-Rum-Flasche. Den Einkauf von Hühnereiern erklärte man uns so, das man sie offiziell im Geschäft nur mit einer Einkaufskarte bekommt, wo die Anzahl der Familienmitglieder genannt sind und eine wöchentliche Rationierung vorgenommen wird. Bei andern Lebensmitteln ist es ähnlich. Komische Welt.

Volle Regale mit wenig Auswahl.
Ansicht
Fidel Castro ist omnipräsent. In Uniform und Zivil. Nachdenklich und lächelnd.
Kubanische Ü-Eier oder doch TucTuc‘s !?
Kubanisches Orginal oder doch Tucke !?
Aktuelle Verwendung von Schiffskanonen. In der Innenstadt Havanna’s vielfach anzutreffen.
Die erwähnte untypische abgefüllte Milch für den morgendlichen Kaffee.

Viele der Wohnhäuser sind vernachlässigt. Sehr schade da ihre Architektur vielfach bewundernswert schön ist. Allerdings verständlich wenn man bedenkt, dass erstmal das Geld für die Nahrung und Basics verbraucht werden und diverse Wirbelstürme manche Anstrengung wieder zunichte macht.

Auf der Straße werden wir mehrfach von Frauen  angesprochen und nach Seife gefragt. Erst sind wir verwundert, bis uns eine Dame aufklärt. Seife sei kontingentiert, so dass die Hygiene im Besonderen der Kinder vernachlässigt wird. Manch Frau bot sogar an, mit in unser Hotel zu kommen, um dort Seife zu erhalten. Manche Kinder fragen uns freundlich nach Bleistiften oder Bonbons.
Ein Pärchen komplett in weiß gekleidet, begleitet uns wie zufällig ein paar Meter auf dem Fußweg. Ein belangloses Gespräch entsteht. Über Deutschland, Fußball, Köln und Berlin, angeblich gäbe es einen Cousin in Hannover. Sie bieten uns an, einen ‚kurzen‘ Umweg zu machen, um uns was ganz besonderes zu zeigen. Fidel Castros Lieblingsbar, ganz in der Nähe. Es dauert dann 20 Minuten. Augenscheinlich eine ganz normale Location  mit diversen Castro-Bildern und typischer Castro-Uniform im Fenster. Erneut in der Nähe befände sich die Bar, wo die Band ‚Buena Vista Social Club‘ viele Jahre aufgetreten sei. Wir lassen uns darauf ein und erreichen nach gut 10 Minuten eine freundliche Bar mit diversen Devotionalien der Gruppe. Nun lassen die beiden ‚die Hosen runter‘, indem sie uns auffordern doch zu viert einen kleinen Drink in der Bar zu nehmen oder was zu essen – auf eine/unsere Rechnung. Mmmhh… mit meinem freundlichen und beharrlichen Hinweis auf 1100 Uhr und zu früh für Alkohol, lassen wir beide allein in der Bar. Mir war klar das ich gelogen hatte, aber … wer hat damit angefangen ??? Ein kurzer Umweg sind keine 20 Minuten plus X. Ich vermute sie haben ihre Angeln direkt wieder ausgeworfen.

Ein Blick zum Best-Hotel-Havannas. Ein andere Blick geht auf die Karibik.

Bei manchem Stops haben Patricia und ich diverse Fahrzeug – Zählungen gemacht. Ergebnis ist, das die Hälfte aller Autos Oldtimer sind, Oldtimer der besonderen amerikanischen Art !!! Wir waren jeden Moment begeistert.

Unser abendliches Date bei Alejandro führt nun auch bei Patricia zu ihrem ersten Tattoo. Genauer gesagt haben wir nun beide das gleiche Tattoo.

Es ist noch Platz für mehr.

 

 

Cancun – drumherum, hinein und uniform

Unser Flug geht von CDMX nach Cancun, an den Scheidepunkt des karibischen Meeres zum Golf von Mexiko.

Wie erwähnt erhalten wir am Flughafen CDMX unsere Broncestatue. 7 kg schwer. So groß wie ein Sitzkissen 40×40. Wir gehen damit zur Fluggesellschaft. Beim CheckIn meinen sie ‚kein Problem’. Handgepäck und gut. Wir nun zur Sicherheitskontrolle. Dort kommt nach fragendem Blick der Dame am Scanner direkt die Gruppenleiterin. Sie erklärt mit freundlichen Worten das wir den Gegenstand aus Metall als Gepäck aufgeben müssen. So und auch in kleineren Mengen/Größen sei das nicht erlaubt. Wir müssen nach dem Einfolieren für 15 Euro wieder zum CheckIn. Für 45 Euro geht unsere Kunst extra als Sondergepäck. Der günstige Flohmarkt-Einkauf erhält gerade einen leichten Beigeschmack.

In Cancun angekommen steigen wir im Hostel Orchidea ab. Alles eine große Familie. Frühstück für 24 Euro inclusive. Unser Landlord Hermes lädt uns zum Abendessen mit allen ein. Mit allen sind meist junge Menschen bis 30 Jahre gemeint. Aus Russland, Israel, Norwegen, Japan, Canada, Österreich, Südamerika… ein buntes Gemisch Menschen. Dieses gemeinsame Abendessen findet jeden Tag statt. Der Koch ist ein junger Italiener. Dementsprechend ist seine Kunst auch itallastig. Gegessen wird meist wortkarg, aber da anschliessend meist Alkohol auf den Tisch kommt, wird’s unterhaltsam lustig.

Eine gute Seele des Hostels ist Alex. 27 Jahre alt, kommunikativ und will mehrfach von uns wissen wie man Bärchen, Schatzilein und so schreibt. Er hat sein Herz ein wenig an eine Österreicherin verloren und schreibt mit ihr fleissig.

Alex ist erstaunt und begeistert nun einen deutschen Polizeipolizisten zu kennen.

Hostel Orchidea
Gemeinsames Abendessen mit anschließendem Austausch ‚erlebtem‘

Wir packen einen kleinen Rucksack und begeben uns mit Leihwagen nach Merida, eine Stadt 300 km entfernt. Dort verbringen wir 2 Nächte und lernen eine weitere Stadt kennen.

Unser Hostel in Mérida.
Universität Mérida in alten Mauern.

 

Alte Mauern mit zwei Spitzen links und rechts und tief stehender Sonne.
Brötchen mit leckerem rustikal ‚handfrisch gerissenem‘ Bratenfleisch. Lecker !
Der Erbauer hatte irgendwie ne Menge Tongefässe übrig.
Das Kreuz war bisher das größte in einer Kirche.
Freie Steckdosen im öffentlichen Park. Gibt’s die bei uns auch ??
Ich mag diesen Blickwinkel. Alte einfache Kirche auf dem Weg nach Tulum.

Von dort geht es 270 km nach Tulum. Tulum und benachbartes Playa del Carmen und die Insel Cozumel sind favorisierte Urlaubsziele. In Tumul geht es erneut in ein Hostel. Kein Abendessen inclusive aber free Caipirinha von 17-19 Uhr. Dem Hostel angeschlossen ist eine Tauschschule. Die Gegend bietet etwas besonderes an. Tauchen in einer Höhle. Ob mir das gut tut. Ich mag enge Umgebungen nicht so wirklich gerne. Unser Tauchmaster ist Amerikaner und ’nimmt uns an die Hand‘. Wir fahren landeinwärts. Nach dem ersten Dive in einem Fluß wo wir riesige Mangrovengewächse von unten sehen und berühren geht es auf zur Cenote dos oyos (= Höhle zwei Augen). Vieler Schnorchler sind im Eingangsbecken unterwegs. Wir drei sagen jedoch alsbald Adios. Die Höhle hat einige Öffnungen nach oben, wodurch Sonnenlicht hereinfällt und wunderschöne Licht- und Schattenspiele verursacht. Ansonsten haben wir Taschenlampen dabei. Sie auszumachen und nur einer zu folgen hat seinen Reiz. Das Wasser ist äusserst klar. Man hat wirklich das Gefühl man schwebe. Keine störenden Partikel im Wasser. Gerade Stalagmiten können von nah beäugt werden. Das ist mal ein richtig geiles Abenteuer. Dieses Tauchen ist einfach aussergewöhnlich.

Später beim Spaziergang am Strand können wir immer noch nicht vom erlebten Höhlentauchen lassen. Wir sind immer noch berauscht. Den Tauchschein zu machen war die beste Entscheidung unseres Urlaubs.

Vorbereitungen
Unser erster Tauchspot ist ein Fluss mit überhängenden Mangroven. Das riesige Wurzelgeflecht können wir großzügig von unten sehen. Ein schlafendes Krokodil (plötzlich neben uns) wird nicht geweckt !
Foto aus dem www. Sensationell klares Wasser ließ einen ‚wie in der Luft schweben‘. Stallgtiten und -miten überall.
Foto aus dem www.
Kleine Löcher in der Decke ließ das Sonnenlicht hinein.
Foto aus dem www. Aber so sah es wirklich aus !! Will da wieder hin !!
Strand in Tulum.
Sie versucht es immer wieder.
Mexikanische Macho Wrestler mal feminin.
‚Öffentlicher Internetzugang‘ auf dem Gehweg in Tulum.

Mit dem Leihwagen geht es nun von Tulum zurück nach Cancun. Rettungswagen und Polizei überholen uns mit Blaulicht. Es gab einen wirklich scheiss Unfall auf der Gegenfahrbahn. Unser Weg geht weiter in Rtg. Osten.
Ich sehe wie ein Streifenwagen in unserer Richtung rückwärts seitlich einparkt und das Geschehen wohl beobachtet. Für Gaffer oder für Notfälle denke ich und fahre weiter.
Wir wollen noch zum Flughafen um dort Modalitäten für den anstehenden Kuba-Tripp zu klären.
Plötzlich sehe ich buntes Licht im Rückspiegel. Blau und rot wechselt sich ab wie in einer Disco. Ups. Ein cooler bulliger mexikanischer Polizeiwagen sehr dicht hinter mir.


Nochmal ups. Die Lichtorgel gilt mir. Na toll. Was ist passiert ??

Ich halte an. Sie direkt hinter mir. Ein kleiner MXaner mit Brille und Mütze kommt zu mir. Tagesgruss auf spanisch am Fenster. Ich erwiedere und Patricia erwähnt das nur sie spanisch sprechen würde. Der Deutsche nickt freundlich  dazu. Der MXnr führt aus, das ich angeblich zu schnell gewesen und nicht weit genug rechts gefahren sei. Ich zieh die Augenbrauen hoch. Ich kann nicht glauben das ich ordnungsgemäß gefahren bin, aber ZU schnell. Wie wollen die das genau gemessen haben. Auf Nachfrage bleibt er bei seinem Argument „ZU SCHNELL“ und nennt keine km/h. Nun… wir sind hier in Mexiko. Also lieb sein. Er erhält Führerschein und Fahrzeugpapiere. Er spricht von 3.000 Pesos Strafe für die Verstöße. Das sind um die 140 Euro. Mmmmh, das passt gerade nicht so ! Patricia schafft es irgendwie freundlich beiläufig zu erwähnen, das ich in Deutschland ebenfalls Polizist sei. Er lächelt und geht wortlos zu seinem uniformierten PS-Monster. Zurück kommt sein Partner. Er fragt mich ob ich wirklich Polizist sei und reicht mir seine Hand. Ich erwiedere und hatte die Hoffnung das in der Hand auch meine Papiere seien. Waren sie nicht. Er fragt nach einem Polizeiausweis. Ich zeige ihm den IPA – Ausweis (International Police Association). In Gedanken suche ich im vorhandenen Gepäck nach Abzeichen der deutschen Polizei, als kleine Aufmerksamkeit (so ging es an der Grenze zu Honduras schon mal gut). Der 2.MXnr geht wieder. Zurück kommt der 1.MXnr und meint, das er auf 1.500 Pesos runter gehen könne, wenn wir direkt bezahlen. Er holt einen länglichen Block heraus und schreibt irgendwas. Ich denke an eine Quittung und wollte gerade ja sagen, als Patricia einen Joker zieht. Wir seien begeistert von Mexiko und müssten unser Hostel und das Auto noch bezahlen. Unser Geld würde nicht für alles reichen. Nach kurzer Überlegung bringen ihre freundlichen Worte 500 Pesos Rabatt. Danke mein Mädchen. Nun denn 1.000 Pesos sind 1.000 Pesos sind 1.000 Pesos. 500 für MXnr 1. und 500 für MXnr 2. Eine Quittung bekam ich letztendlich nicht. Hab aber auch unterlassen danach zu fragen.

Da mir das aus Deutschland / Europa sehr fremd ist, mache ich mich innerlich lustig darüber das ich das nun live erleben durfte. Ärgere mich aber auch über meine/unsere  wenigen bis keine Widerspruchsmöglichkeiten. Nun denn… es geht weiter… wir haben ein Ziel.

Wir haben noch 80 km bis nach Cancun. Keine 30 Minuten nach dem Kontakt mit meinen bebrillten Kollegen der MX-HighwayPatrol sehen Patricia und ich links neben uns einen Mann winken. Genau… ein Motorradpolizist winkt uns raus. Er hält hinter uns. Bevor er zu uns an den Wagen tritt einigen wir uns darauf den ersten Vorfall nicht zu erwähnen. Wegen Wiederholungstäter und so. Der KradMXnr kommt direkt zur Beifahrerseite. Tagesgruß, zu schnell gefahren, Führerschein, Unfallgefahr… blablabla. Alles läuft freundlich mit Sonnenbrille. Ich warte auf Zahlen !!! Sie kommen dann auch: 1.300 Pesos. Passt fast irgendwie rechnerisch. Eine Uniform 1.300 – zwei 3.000 Pesos.

Wir erwähnen unser fehlendes Scheingeld. Er führt Zahlschein an, fängt auch schon an auf einem länglichen Block zu schreiben und erwähnt weiter, das der aber an einer bestimmten Dienststelle erst in 3 Tagen in Cancun eingezahlt werden kann. Super. Patricia und ich schauen uns an. Meine schöne Beifahrerin erklärt, das wir übermorgen nach Kuba fliegen. Jetzt geht’s wohl ans eingemachte. Innerlich denke ich… so mein werter Kollege… jetzt lass mal die Hosen runter !!! Und das tat er dann auch. Etwas zögerlich, aber Bargeld bringt Rabatt. Er möchte 600 Pesos. Die vorhin noch mit weiblichem Charme erschwindelten Scheine gehen jetzt an einen anderen Staatsdiener. Eine Quittung gabs auch hier nicht.

Zurück im Hostel fragt Alex wie es denn so war ?! Wir erzählen ihm unsere frisch erlebten Polizeikontrollen. Er lacht und fragt ob uns der erste Polizist nicht was gegeben habe ? Patricia und ich verneinen. Wir schauen fragend. Alex erklärt, das er vor Monaten früh morgens auf dem Heimweg von einer Party angehalten wurde. Es führte zu einer Barzahlung ohne Quittung wegen irgendwas. Der Polizist gab ihm dann einen Zettel mit einem Zahlencode. Den solle er vorlegen, wenn er folgend nochmal angehalten würde. – Verstehste ??

Einen Zettel, einen Code… schade hatten wir nicht. Blöd. 

Neue Erlebnisse warten auf uns. Patricia hat irgendwas von pinkem Wasser und Flamingos gelesen und MUSSSSSSS hin. Also erneut in den Leihwagen und los nach Las Coloradas Yucatan. Wir fahren durch die Lande, sehen das einfache Leben. Als wir tanken müssen erfragen wir die Tankstelle im Ort. Sie ist ein stabile Hütte, bewohnt mit Familie mit 4 Kleinkindern. Benzin gibt es aus 5-Liter Wasserkanistern. Alle helfen mit, wobei die kleinsten mit 3 und 5 Jahren eher nur mich im Blick haben. Groß, hellhäutig und halt irgendwie anders. Lustige Szene. Wir geben den Kids Trinkgeld fürs Schlauch und leere Flasche halten und fahren weiter.

Tanken mit der ganzen Familie. Die anderen beiden Kinder sortierten gerade das ‚Leergut‘.

Unser Ziel ist eine Anlage die Salz aus den umliegenden Seen fördert. Die Zusammensetzung des Wassers und die Sonne lassen das Wasser in den Seeen (die e’s ?) rosa- oder kupferfarben erscheinen. Flamingos scheinen sich darin sehr wohl zu fühlen. Sie staksen rhytmisch vor sich hin und schnäbeln im Wasser nach Kleinstieren. Ein cooles Bild.

Blau Pink Weiß. Himmel Wasser Salz.
Ähnliche Farben… nur anders verteilt.
Strandblick.
Almuerzo
Ein harmloser Streckenabschnitt von 40 km zurück nach Cancun, von dem uns mehrfach abgeraten wurde, da er aufgrund Mangroven, Überschwemmungen und Löchern unpassierbar sei. Wir gaben den Stimmen oftmals ‚fast‘ recht. Mit viel Glück schafften wir es, ohne sichtbaren Schaden am Pkw.

Tagsdrauf sagen wir dem Hostel erneut Adieu. Mit einem Shuttle fahren wir zum Hafen um weiter nach Holbox (sprich Holbosch) zu kommen. Diese Insel besteht nur aus Sand. Es gibt dort praktisch keine Autos, nur Golfcarts und Mopeds. Nach manch Regen haben die Straßen dementsprechend tiefe Rinnen und Löcher. Selbst als Fußgänger hat man es da sehr schwer voran zu kommen. Spaziergänge, Radfahren, bummeln, Sonnenuntergänge, kochen im Hostel und Netflix im Bett mit (wichtigem) Moskitonetz. Die Lagune vor Ort ist knöchel- bis knietief. Flamingos und diverse Vogelschwärme begeistern nun auch mich. Patricia ist entzückt. Flamingos. Flamingos. In unserem Alter glaubt man dann alle Tiere zu kennen, dann aber sehen wir eine HorseshoeCrab. Ein seltsames Getier und hübsch ist was anderes. Sie liegen zigfach tot am Strand rum. Ihre Oberschale ist äusserst hart und sensationel synkron und aerodynamisch. Selbst Augen und Nasenlöcher gehen fliessend über. Unten sind sie ähnlich einer Krabbe. Hässlich aber faszinierend.

Holbox
Holbox
Strahlende Unterkunft.
Originelles Wandbild am Strand (achtet auf den kleinen Hund links).
Patricia flieg… flieeg mein Mädchen !!
Dachte mit der roten Hose passe ich gut ins Bild.
Horseshoecrab oder Pfeilschwanzkrebs.

Holbox wird gern von reichen Amerikanern und Honeymoonern besucht. Daher nicht ganz günstig. Wir sind also nach drei Tagen wieder weg.

In Cancun wartet noch ein ’sonst-nicht-auf-der-Welt-Abenteuer‘. Zurück in Cancun fahren wir in die Zona ‚Hotelarea‘ zu unserem letzten abenteuerlichen Auflug. Vor Jahren hat man vor der Küste Cancuns die unterschiedlichsten Skulpturen auf dem Meeresboden befestigt. Diese sind durch Korallen und diverse Meeresbewohner vereinnahmt worden. Dadurch entstand ein sensationelles Unterwasser-Museum. Genau dieses wollen wir bei einem Tauchgang besichtigen. 

Park in der Nähe des Hafens. Patricia sagt mal kurz Bescheid !!
Fahrt raus zum ‚Museum‘
Sie stehen da so rum..
Wirklich mal was anderes.
Lustig…

Die letzten Stunden im Hostel verbringen wir mit ein-aus-um-verpacken unseres ganzen Equipments, incl. des angeschafften Sammelsuriums. Einiges können wir zusammen in eine große Tasche stecken und lassen es am Flughafen mit einer FolienMaschine für den Transport einwickeln.

So sieht unser Sammelsurium, eingewickelt in Folie aus.

Das wir hier in Cancun eine Tasche mit Kleidung und einer uns wichtigen antiken kleinen Figur vergessen wird uns die nächsten Monate noch beschäftigen. Okay … Nicht nur uns sondern auch Alex aus dem Hostel.

Auf Wiedersehen Cancun.

Auf Wiedersehen Mexiko. Du hast alles richtig gemacht.

 

CDMX

Die nächste Nacht verbringen wir erneut in einem Bus. Wir fahren nach Mexikostadt – Ciudad de Mexico 

CDMX

Wir kommen für die folgenden 6 Tage bei Rodrigo und seiner Familie unter. Rodrigo ist Mexikaner und hat als Kind in Deutschland gelebt und ist mit Patricias Sohn zur Schule gegangen. Nunmehr wieder in seiner Heimat. Seine Mutter Julietta und Partner Toni machen es uns sehr einfach uns wohlzufühlen.

Ganz in der Nähe befindet sich das Museum von Frida Kahlo. Einer ganz speziellen Frau. Malerin. Quertreiberin. Revoluzzerin.  Die bekannteste Künstlerin Zentralmerikas. Patricia und ich schauen uns ihre Film-Biografie abends zuvor auf DVD an (mit Salma Hayek in der Hauprolle – sehr zu empfehlen). Im Museum dann ihr Leben und erschreckende Realitäten.

Frida

Rodrigo nimmt uns anschließend an die Hand und führt uns herum. Tagsüber in das Museum Soumaya. Abends in eine sensationell coole Jazz-Blues-Ba/är.

Museum Soumaya

Tagsdrauf zu dem historischen Hotspot überhaupt im Nahbereich von CDMX (so das offizielle Logo der Ciudad de Mexico): Teotihuacan. Die Geschichte dieser Stadt ist aus der Literatur problematisch zu entnehmen. Zu viele Völker waren hier in Mittelamerika unterwegs. Zudem haben die Spanier ab dem Zeitpunkt ihrer ‚unfreundlichen Übernahme‘ im 16. Jhdt. alle historischen Unterlagen vernichtet. Viele erklärbare Fundstücke passen nicht zu anderen Fundstücken. Wird wohl noch ein langer Weg für Forscher sein… bis es irgendwann Zeitreisen geben wird. Bis zu 200.000 Menschen lebten im 6. Jhdt. hier. Damit war sie zu ihrer Zeit die mit Abstand größte Stadt auf dem amerikanischen Kontinent und eine der größten der Welt. Im Lauf der nächsten 100 Jahre wurde die Stadt aufgegeben. Das Volk der Tolteken machte sich in der leeren Stadt breit und lebte viele Jahrhunderte hier. Auch Spuren der Azteken gibt es hier, da sie den Ort als den Platz ansahen, an dem die Welt erschaffen und ihre Götter geboren wurden.

Diesen Ort haben wir uns dann auch mal angesehen. Ich selbst fand nicht den Ort, wo ein/mein Gott geboren wurde oder wohnt.  Beeindruckend ist diese Anlage aber auf jeden Fall. Seht euch die Fotos an.

Architektur
Sonnenpyramide
Überblick
Sonniger Tag mit historischer Luft
🙂
Höhlenrestaurant in der Nähe der Pyramiden.

Die restlichen Tagen besuchen wir das Leben in dieser knapp 10.000.000 Einwohner Stadt. Es gefällt uns sehr. Freitagabend geht es zum Wrestling a la Mexiko. Wrestling mit diesen komischen Masken. 60 Prozent der Zuschauer haben die Masken auf. Der Rest ist Wrestling. Hauen, werfen und schlagen zu zweit und in der Gruppe. Eingeübter Spass für alle.

Gleich gibts Haue !
Er will nur spielen.

Am Wochenende finden wir Flohmärkte die uns stundenlang begeistern. Wir finden eine ca. 140 cm große Holzfigur, ähnlich einer Meerjungrau die man wie ein Kostüm um die Hüfte anziehen kann. Unser Augenmerk geht weiter zu einer Broncestatue (7 kg schwer) mit Fabelwesen in einem Boot, mit Krokodil-kopf. Das Original steht hier in CDMX in einem Park. Wir stehen auf so einen Kram. Sehr sogar. Diese Dinge müssen wir natürlich nun mit uns tragen, solange bis wir wieder in Brasilien und final in Deutschland sind. Zur Broncefigur diskutieren wir tagelang per whatsapp den Preis, sodass der Verkäufer sie uns letzdendlich am Flughafen (Weiterflug nach Cancun) in die Hand drückt.

tolle Figur
Kunst ? Kunst !
Querkopf
Gefällt
Amigos
Im Straßenverlauf stehen die Musiker zu Hauf und bieten ihre Dienste für anstehende Anlässe an, wie auf einem Markt.
Kann man kaufen (gesehen auf dem Flohnarkt)
Kaltgetränk plus X: Zähe extrem fruchtigsaure Masse mit Sesamkörnern an Bierdose
Placa de la Constitucion – Bücher werden als Spirale um den Fahnenmast herum angeboten. Durchmesser gesamt ca. 30 Meter.

Wir lernen auch Rodrigos Leute kennen. Darunter ein dort sehr polulärer Tätowierer, der ebenfalls Rodrigo heisst. Nun denn, er ist nett und scheint sein Handwerk zu können. In meinem Alter würde nicht mehr so viel Zeit bleiben um mich über ein Tattoo zu ärgern. Also… warum nicht in Mexikostadt ??!! Tagsdrauf um 1900 Uhr. Ich bringe Barcardi, Cola und genug Eis mit. Wohl eher zu meiner Beruhigung. Rodrigo trinkt nicht. Gut so, im Sinne meiner Tattoo. Witziger Weise wird sein Atelier noch richtig voll. Eine Filmcrew kommt und richtet es ein, da ein ‚XXXL-Blogger mit millionentausenddreioderso Vollowern‘ dort ein Video drehen wird. Rodrigo hat eine halfpipe im Studio.  Damits komplett wird ist auch noch ein Hund dabei, ein freundlicher großer Weimaraner. Ein herrliches Ambeinte für meine erste Tattoo.

in Szene gesetzt
Ihm ist irgendwie nicht geheuer.
… wegen ihm ? Aber Rodrigo will doch nur spielen !

Aber alles ging gut. Ich war und bin sehr glücklich mit meiner kleinen Körperzeichnung.

my first tattoo

Zum Essen muss ich noch was sagen. Taccos ohne Ende. An jeder Ecke ein Taccostand. Zu recht empfohlen werden die Streetfood-Stände. Mais-Mehlfladen mit leckerem spicy oder not-spicy Fleischigem oder Veganen Inhalt. Ein Tacco für ca. 60 EuroCent.

Mexikostadt… ein sensationelles Erlebnis. Eine tolle Unterkunft mit herzlich liebenswertem Familienanschluss. Es war wirklich toll bei euch.

Danke Ihr alle in CDMX. Ganz besonders Rodrigo, Julietta und Toni.