Peru – Titicacasee und die Inseln die man essen kann

Morgens erreichen wir mit durchschnittlichem Schlafpensum die kleine Stadt Puno. Sie hat ca. 130.000 Einwohner und liegt auf 3.800 Meter Höhe. Man nannte sie früher ‚Cuidad de Plata‘ (Stadt des Silbers), da es dort die ergiebigsten Silbervorkommen Perus gab. Puno liegt am Titicacasee, der der Übersetzung nach graue große Katze (titi = große Katze und kaka = grau) bedeutet. Er ist der größte schiffbarre See der Erde. Dieser Titicacasee ist knapp 16mal so groß wie der Bodensee (178 X 67 km) und mir seit meiner Kindheit eher als surrealer lustiger Name bekannt, wobei …TITI und KAKA… immer belustigt betont wurden. Der See befindet sich real zum Teil auf peruanischem wie auch bolivianischem Gebiet.

                                          

Wenn man den Karten-ausschnitt des Titicacasees um 180 Grad dreht kann man sich in der Form des Sees eine springende Katze vorstellen – also irgendwie… – so sahen und sehen es zumindest die Indigenen.

 

Unser Spaziergang führt uns in der eher unhübschen und characterlosen Stadt an die Uferpromenade des Sees. Dort hören wir Geräusche die irgendwie an Musik erinnern. Wir folgen ihnen und wundern uns, als wir Marschmusik erahnen. Am Ufer selbst finden wir im Sichtfeld einige Stellen wo sich unterschiedliche Musikgruppen mit Blasinstrumenten versammelt haben und proben. Hört sich nicht immer gut an, jedoch werden Lieder gespielt, die wir auch aus der Heimat kennen. Ich, als im Sauerland Geborener, von Schützenfesten. Als im Rheinland Lebender, erkenne ich schnell den Zusammenhang: … die Zeit des Karnevals kommt näher und wird auch hier zelebriert.

Dieses Gefährt sahen wir sonst nirgendwo:  Ein Tuctuc wie aus einem Transformers-Film. Wir haben länger hingeschaut… es tat sich jedoch nichts.
Vorher bereits auf Märkten in Peru entdeckt. In den Säcken befinden sich Kartoffeln denen die Flüssigkeit entzogen wurde und sie daurch lange haltbar sind. Beim späteren Nutzen werden sie wieder gewässert, ziehen Flüssigkeit und werden normal zubereitet. Wir haben sie probiert. Sie schmecken zwar kartoffelig aber nicht-so-richtig-lecker-kartoffelig.

Puno bietet dem einfachen Touristen keine Reize, ausser das es als Sprung-brett zu den schwimmenden Inseln des Volkes der Uros dient.

Wir buchen eine Fähre um einen Blick auf die schwimmenden Inseln der Uros zu werfen. Namentlich wohl eher unbekannt, bildlich haben wir das Volk der Uros und ihre Schilfboote wohl alle schon mal gesehen, in irgendeiner DoKu, arte oder irgendwo beim zappen im TV. Die Uros wohnen auf aktuell 49 schwimmenden Inseln im Titicacasee, die sie aus getrockneten Totora-Schilf herstellen. Dieselbe Pflanze ist unter anderem auch Rohstoff für Schilfboote und die Häuser auf den Inseln. Die Inseln, auf denen nur noch wenige hundert Urus leben, befinden sich 5 km östlich vom Hafen Puno.

All diese Boote warten auf Touris die sie zu den Uros fahren.

Der Legende nach flohen Bewohner des Festlandes mit ihren kleinen Booten auf den riesigen See, als ihr Volk angegriffen wurde. Sie versteckten sich im hohen Schilf und begannen bald, die Pflanze zu essen. So konnten sie mehrere Monate überleben – unbemerkt von den Angreifern, welche die Flüchtlinge schon längst tot glaubten. Als ihre Boote zu sinken drohten, kamen Sie auf die Idee, das besondere Tatora-Schilf (mit Hohlräumen die dem Auftrieb dienen) zur Stabilisation unter die morschen Boote zu legen/binden. Immer mehr Schilf legten sie nach, bis ganze Inseln entstanden. Die Inseln bestehen aus verschiedenen, kreuzförmig aufeinander gelegten Schilf-Schichten, die insgesamt bis zu 2m dick sind. Von da an schwebten sie nun durch den riesigen Titicacasee. Kein herrschendes Volk konnte das Volk der Uros je besiegen, da diese sich bei Gefahr stets mit ihren Inseln auf das Innere des Sees zurückzogen.

Eine der Inseln der Uros. Sowohl Insel, wie auch Boot links und die Häuser sind aus dem Tatora-Schilf.
Sogar mit ‚Pool / Angelteich‘.

Als Gruppe von 20 Personen legen wir an einer Schilfinsel an und empfangen von farbenfroh gekleideten Damen. Wir werden zu einem Sitzkreis eingeladen.  Die uns als ‚Bürgermeisterin‘ der Insel vorgestellte Dame erzählt von ihrem Alltag und dem Inselaufbau. Da das Schilf von unten weg fault, müssen immer wieder neue Halme nachgelegt werden. In 2-wöchigem Rhytmus gehen die Männer zu den Schilffeldern und schneiden die Pflanzen, um sie anschliessend auf den Boden zu legen. So fault die Insel von unten weg und von oben wird neues Material aufgelegt. Immer quer zur letzten Lage.

Die ‚Bürgermeisterin der Uro Insel‘ erklärt dies und das. So auch das das Schilf auf dem sie sitzt, frisch geschnitten und von der grünen Schale entfernt gegessen werden könne. Wir haben es probiert. Es hat viel Flüssigkeit inne und schmeckt total lecker nach …. ganz vage leicht süßem NICHTS.

Anschliesend werden wir eingeladen die kleinen Hütten der Bewohner zu besuchen. Natürlich erhält man auch die Möglichkeit handgearbeitete Dinge zu erwerben. Der ein oder andere erliegt dem Werben. Wir kaufen eine selbstgemalte Postkarte, eher als kleines Alibi fürs gute Gewissen. Später erkennen wir das der tägliche Markt in Puno die gleichen Artikel bis zu 50 Prozent günstiger anbietet. Nun denn. Der Rubel, inform des peruanischen Pesos, muss auch hier rollen. Die meisten machen noch eine rustikale Bootsfahrt in einem der nachgebauten großen historischen Schilfboote, namentlich als Königsschiff angepriesen (für einen Extra Fahrpreis von 8  Euro).

Wir und das Königsschiff.
Die Schritte auf diesem beweglichen Untergrund fühlen sich lustig an. Immer wieder bewegt sich der Untegrund leicht.
Die Kleine links hat die Karten selber gemalt, sagt sie.

Da Patricia und ich die Uros aus dem TV kannten und uns ins Thema eingelesen hatten,  haben wir uns sehr gefreut es nun live erleben zu können. Erschreckend war für uns der äusserst professionelle Umgang mit den Touristen.  Alles war fast minutiös durchdacht und wir Touris wurden dementsprechend gelenkt.

Unterm Strich wurde unser cosmopolitischer Horizont um ein südamerika-nisches Erlebnis bereichert. Das Wetter war gut und das Totora-Schilf schmeckte lecker nach nichts. Also… alles gut.

Die Rückfahrt zum Hafen.

Am Tage drauf stiegen wir vormittags wieder die 3-5 Stufen eines Busses hinauf und hinein und fuhren bequem Richtung Bolivien.

An der Grenze ein Blick zurück nach …. Peru. Ein Land was begeistern kann.
Der peruanische Zoll entliess uns und wir machten uns auf zum Gate im Hintergrund, dem Einlass nach Bolivien. Wir erfahren dort sogar etwas zur  Herkunft einem weltweit bekannten brasilianischen Hotspot !

 

 

 

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